Privatsphäre – was ist das?

Klingt, als sei die Frage einfach zu beantworten, ist aber nicht so. Privat ist das, was nicht öffentlich ist, könnte man spontan sagen. Doch was ist, wenn etwas sehr Privates durch irgendwelche Umstände in die Öffentlichkeit gelangt? Dann wäre es ja nicht mehr privat und infolgedessen auch nicht mehr schützenswert.

Doch lassen wir solche dialektischen Gedankenführungen. Jedenfalls sagt uns das Beispiel, dass der Raum, in welchem wir irgendetwas pflegen, nicht maßgeblich dafür sein kann, ob wir eine Sache als privat oder öffentlich auffassen und entsprechend Weiterlesen

Immer online. – Machen Smartphones dumm und krank?

So der Titel einer Sendung aus der Reihe “Hart aber fair”. Ich musste etwas überlegen, ob es sich lohnt, dazu einen Kommentar abzugeben. Die Diskussionsteilnehmer hatten sehr unterschiedliche, persönliche Ausgangspositionen und verfolgten dementsprechend verschiedene Diskussionsziele. Mit anderen Worten: Es wurde viel aneinander vorbei geredet, und nur der Flexibilität des Herrn Plasberg ist es zu verdanken, dass zumindest ein oberflächlicher Eindruck eines gemeinsamen Anliegens entstehen konnte.

Und so will ich auch gar nicht auf die Meinungen aller Diskussionsteilnehmer eingehen, sie waren vorhersagbar und boten keine neuen Aspekte. Vorhersagbar waren auch die Weiterlesen

Google immer zur Stelle

Gestern gab es in unserer Zeitung einen Kurzbericht zu den Plänen von Google. Ich ging auch nur kurz darauf ein. Heute las ich in der Zeitng einen längeren Beitrag unter dem Titel “Google will immer zur Stelle sein”. Im Grunde bringt der Artikel für mich nichts Neues, doch weil einige Aspekte nun mal schwarz auf weiß vor mir liegen, möchte ich etwas ausführlicher auf die Sache eingehen.

Worum geht es? Google hat in aller Offenheit verkündet, welche Pläne der Konzern in naher und fernerer Zukunft hat. In dem Zeitungsartikel ist u.a. von einem “smarten Assistenten” die Rede, das ist ein Lautsprecher, der in “Google Home” Weiterlesen

Zug nimmt Fahrt auf

Damit meine ich den Digitalisierungszug, der in die falsche Richtung fährt. Ob dieser Zug in den Abgrund stürzt, gegen eine Wand fährt oder nur in eine Gegend, wo die Menschen wie dumpf grinsende Marionetten herumhampeln (was nicht unbedingt was anderes sein muss als Abgrund oder Wand), sei erst mal dahingestellt. Die Anzeichen häufen sich, dass dieser Zug immer schneller fährt, praktisch unbremsbar. Äußeres Anzeichen sind die sich häufenden Meldungen in der Presse. Es vergeht kaum noch ein Tag, an dem nicht eine Meldung erscheint, die verantwortliche Zeitgenossen aufrütteln müsste. Heute waren es gleich fünf kurze Weiterlesen

Geht’s noch, Unitymedia?

Es gibt immer wieder Zeitungsmeldungen, bei denen man unwillkürlich auf den Kalender schaut, um sicherzugehen, dass es kein Aprilscherz ist. So auch die Meldung in der heuten Tageszeitung:

Die Unitymedia plant, die in Privathäusern installierten Router zu benutzen, um weitere drahtlose internetzugänge anzubieten. Mit anderen Worten, wenn ich im Keller oder sonstwo so einen Router hängen habe, dann will ihn Unitymedia auch für Netzzugänge von außerhalb meines Grundstücks verwenden. Das alles noch ungefragt; ich muss explizit widersprechen, und tu ich’s nicht, darf ich meinen eigenen Router nicht mal ausschalten.

Das Ganze ist natürlich ungeheuerlich, und logischerweise hat die Verbraucherzentrale den Verein schon abgemahnt. Die Gründe, die sie anführt, sind nach meinem Dafürhalten eher oberflächlich. Es ist die Rede von eigenmächtigem, rechtlich unzulässigen Vorgehen “nach Gutsherrenart”, ferner von einer unangemessenen Benachteiligung der Kunden.

Sicher, diese Argumente der Verbraucherzentrale mögen rechtlich relevant sein, gehen aber am eigentlichen Kern des Problems vorbei. Es geht nicht nur um Benachteiligungen und Eigenmächtigkeiten, es geht um tief greifende Einschnitte in die bürgerlichen Rechte, es geht um Verletzungen von Grundrechten, denn:

1. Alles, was auf meinem Grundstück oder in meinem Haus installiert ist, darf ohne meine ausdrückliche Erlaubnis nur für die von mir vorgesehenen Zwecke verwendet werden. Selbst wenn ein Gerät nur leihweise installiert ist, habe ich das Recht, über die exakte Verwendung informiert zu werden und ggfs. die Verwendung einzuschränken.

2. Auch wenn es nur Centbeträge sind: ein Router verbraucht Strom, den ich bezahlen muss. Da kann sich doch nicht ein anderer einfach so bedienen.

Ok, das alles ist ja im Grunde selbstverständlich und sollte eigentlich nicht erst erwähnt werden müssen. Das Schlimmste ist aber die Haltung der Unitymedia. So sagt Helge Buchheister, der Pressesprecher der Unitiymedia: “Wir sind der Meinung, dass es keiner Zustimmung des Kunden bedarf.” – Im Interesse eines funktionierenden Rechtssystems kann man nur hoffen, dass Herr Buchheister mit seiner Meinung völlig daneben liegt.

Unabhängig davon verdeutlicht die Initiative der Untiymedia den Zerfall von moralischen Grundsätzen in der Grauzone einer unüberlegt und ungesteuert voran getriebenen Vernetzung. Es gibt nicht mal mehr ein Unrechtsbewusstsein, wenn man brutal in die Privatbereiche von Bürgern einbricht. Insofern muss man Herrn Buchheister zugute halten, dass er denkt wie die Verantwortlichen in den meisten, vielleicht sogar in allen global operierenden IT- und Medienkonzernen. Privatsphäre? Grundrechte? Achtung vor den Kunden? Spielt alles keine Rolle, solange der Gewinn stimmt und damit auch der Weg zu den Machtzentren dier Welt weitgehend von Hindernissen frei geräumt werden kann. Die Opfer werden in den Straßengraben geschoben.

Nun sollte der Vorstoß der Unitymedia nicht wirklich überraschen. Die Bande hat sich bisher ja nicht gerade durch seriöses Verhalten hervorgetan. Jeder, der wie ich einen abgeklemmten und verplombten Kabelanschluss im Keller hat, kann ein Lied von den aggressiven Werbemethoden der Untiy singen. Anrufe z.B., die in ihrer Häufung schon an Mobbing und Telefonterror grenzen. Keine Frage, Unitymedia passt in den Wilden Westen der IT-Welt.

“Russen starten Cyber-Angriff”

So die Überschrift auf der Titelseite der heutigen Ausgabe unserer Tageszeitung IVZ. Dem Bericht zufolge hat der Verfassungsschutz festgestellt, dass Moskau hinter den Attacken auf deutsche Institutionen steckt.

Na ja, wird wohl so sein, und wir dürfen getrost annehmen, dass es nicht nur die Russen sind, die in der Unterwelt unserer Netze herumkriechen. Und wir dürfen ebenso davon ausgehen, dass der deutsche Verfassungsschutz in der Unterwelt durch die Kanäle schleicht, um die Schalter zu finden, mit denen man im Bedarfsfall die eine oder andere wichtige Funktion in dem einen oder anderen Land ein- und ausschalten kann.

Georg Maaßen, Präsident des Verfassungsschutzes: “Der Cyberraum ist ein Ort hybrider Kriegsführung. Die Informationssicherheit deutscher Stellen in Regierung, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung ist permanent bedroht.”

Da liegt der Maaßen nicht total daneben, aber eine Frage sei erlaubt: Wenn ihr schon wisst, wie sehr die wichtigen Dinge unserer Gesellschaft bedroht sind, warum zum Henker leitet ihr denn die Informationsströme immer noch und immer stärker ins Internet? Herr Maaßen hat die Dinge genannt, die einfach nicht in den Sumpf des Internets gehören.

Liebe Leute, wenn euer Verstand vom Digitalisierungs- und Vernetzungswahn noch nicht total eingenebelt ist, dann bringt ihr die lebenswichtigen Sachen erst wieder in Sicherheit, also raus aus den Abwasserkanälen des Internets. Und dann können Russen und andere böse Leute darin herumkriechen, solange sie wollen. Wir stellen uns auf die Kanaldeckel und genießen die reine, sichere Luft da oben.

Ende der Symbiose?

Lara fährt zum Einkaufen zum Supermarkt an der Hauptstraße. Als sie mit dem vollen Einkaufswagen dem Ausgang zustrebt, kommt sie am Stand des Bäckers vorbei. Es duftet verführerisch, und so kauft Lara noch einige Brötchen. Einen Augenblick überlegt sie, ob sie nicht auch etwas Kuchen für den Nachmittagskaffee mitnehmen soll, doch sie weiß, dass der Bäcker in dem anderen Supermarkt den leckereren Käsekuchen hat.

Also steuert sie noch den anderen Supermarkt an. Am Stand des Bäckers fällt ihr ein, Weiterlesen

Gaffer zum zweiten

Wieder in derselben Stadt in Deutschland. Ein Auto liegt nach einem Unfall auf dem Rücken, streckt alle Viere in die Luft, und rundherum drängen sich etwa 150 Gaffer an die Absperrung und strecken dem Verunglückten ihre Smartphone-Kameras entgegen. Die Helfer werden stark behindert, aber die gaffende und knipsende Menge weicht nicht. Erst als Hunde eingesetzt werden, machen die Voyeuristen Platz.

Lassen wir mal die moralischen Aspekte dieser Situation beiseite und fragen uns, was man da tun kann. Das Fatale ist ja, dass hierl zwei Dinge zusammenkommen, die ein unheilvolles Duo bilden: Gelegenheit und Trieb. Die Gelegenheit wird durch die Smartphones geschaffen oder zumindest unterstützt. Und der Hang, sich am Unglück Weiterlesen

Unter dem Banner des Sultans

Böhmermann und kein Ende. Immer mehr Leute machen ihrer Empörung in der Leserbrief-Abteilung unser Tageszeitung Luft: Wie kann man nur, Beleidigung ist Beleidigung usw. Diese doch stark gegen Böhmermann gerichtete Meinungsäußerung kann natürlich auch an der Tageszeitung liegen, denn wir wissen ja, dass Leserbriefe weniger die Meinung der Leser widerspiegeln als vielmehr die Haltung der Redaktion. Also, ich weiß nicht, was der gute Böhmermann da gesagt hat, denn ich hab’s nicht gehört und gesehen. Den Äußerungen der Lesebriefschreiber zufolge, die komischerweise alle die Sendung gesehen haben, hat es den Anschein, als hätte er tatsächlich tief unter die Gürtellinie gegriffen.

Andererseits: Wie soll man dem türkischen Sultan ohne Schimpfwörter gerecht werden? Einfach die Klappe halten? Wir können den Typen doch nicht als guten oder Weiterlesen

TTIP – wirklich so schlimm?

Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Ich bilde mir nicht ein, soviel über wirtschaftliche Zusammenhänge zu wissen, dass ich mir ein endgültiges Urteil erlauben könnte. Das müssen schon Wirtschaftsexperten entscheiden, obwohl andererseits gerade die Laien von den Folgen eines derartigen Handelsabkommens am stärksten betroffen sind. Also mitreden sollten sie schon, und was einige grundsätzliche Kriterien oder auch Rahmenbedingungen betrifft, da gibt es durchaus einiges zu sagen, ohne dass man ein Wirtschaftsexperte sein muss.

Aus meiner Sicht könnt ihr TTIP beschließen, wenn …

… ihr auf der Stelle die Geheimnistuerei aufgebt und in die Öffentlichkeit geht. Diejenigen, die letzten Endes am stärksten von so einem Abkommen betroffen sind, Weiterlesen