Mensch Merkel!

Vor kurzem ließ sie die Katze aus dem Sack: Ja, die Bundeskanzlerin will 2017 noch einmal antreten, was verständlicherweise nicht überall Begeisterungsstürme hervorrief. Sicher, der ‘Fanclub Merkel’ hat immer noch erstaunlich viele Mitglieder, doch bei nüchterner Betrachtung (und meiner Meinung nach) wäre es für Deutschland besser, wenn eine andere Person das Heft in die Hand nehmen würde.

Dabei begann es eigentlich ganz gut, und ich selber habe ausnahmsweise mal CDU gewählt, als Merkel gegen Schröder antrat. Schröder war einfach nicht mehr hinnehmbar, so wie jetzt Merkel. In der ersten Legislaturperiode hat Frau Merkel gute Arbeit gemacht; in der zweiten schon bei weitem nicht mehr so gut. Da ging es ihr vor allem um Machtfestigung, wodurch vielen ihrer parteiinternen Konkurrenten nichts übrig Weiterlesen

Nun auch die Kinder

Randnotiz in unserer Tageszeitung vor einigen Tagen: Es gibt nun eine Spielzeugpuppe, mit der sich die Kinder unterhalten können. Nein, nicht in der Art einer Mamapuppe, sondern als Teil des SmartHome mit Anbindung an die Sprachserver der großen IT-Konzerne. Künstliche Intelligenz sorgt dafür, dass die Kinder auf Fragen sinnvolle Antworten oder Gegenfragen, auf Äußerungen ‘kindgerechte’ Reaktionen erhalten. Das volle Programm der sprachbegabten Assistenten von Amazon, Google oder Microsoft also. Und so können die Kinder sich voll ihren virtuellen Gesprächspartnern widmen – und die Eltern müssen sich nicht mehr bemühen und haben mehr Zeit für sich. Toll!

Doch eine Frage muss erlaubt sein: Was wird aus Kindern, die ihre Sprach- und Kommunikationskompetenzen von kalten, abstrakten, unpersönlichen, andererseits Weiterlesen

Industrie 4.0 in der Weihnachtsbäckerei

‘Industrie 4.0′, ein neues Zauberwort ist geboren. Ich glaube, dieser geheimnisvolle Begriff wurde vor etwa 5 Jahren zum ersten Mal verwendet, und zwar auf einer Industriemesse (Hannover?). Dahinter verbergen sich offenbar Pläne, die Industrie so gründlich umzukrempeln, dass man bereits im Vorfeld von einer Revolution spricht, genauer: von der vierten industriellen Revolution. Hm, ist natürlich gewagt, von einer Revolution zu sprechen bevor sie eingetreten ist. Noch ist nichts Revolutionäres zu erkennen, höchstens in Form von verschwommen formulierten Zukunftsvisionen mit utopischem Unterbau. Doch warum soll man nicht mal etwas spinnen, wenn es um die Weiterlesen

Frohe Weihnachten, Berlin

Schlimmes Ereignes: Da fährt jemand mit einem Laster über den Weihnachtsmarkt, tötet ein Dutzend Menschen, verletzt 40 weitere, und geht dann – wahrscheinlich Richtung Tiergarten – türmen. Da gibt es einiges zu bedenken und einzuordnen.

Die Tat

Die Menschen nehmen mehr oder weniger fassungslos wahr, was da gelaufen ist. Kann man das überhaupt begreifen? Doch, man kann, dank unserer Politiker und der Medien. Die Politiker klären auf: Es war ein schlimmes, ein böses, ein erschütterndes Verbrechen. Die Medien verbreiten diese Aufklärungskampagne, immer wieder. Und nun wissen wir’s: die Tat war schlimm und böse, sie hat uns erschüttert. Danke für die Informationen. Und Ihr tut gut daran, liebe Politiker, den Redetext schon mal in der Gebetsmühle zu speichern, für den nächsten Anlass.

Die Schuldigen

Für die Menschen ist es unerträglich, so ein Verbrechen hinzunehmen ohne dass man seine Wut auf irgendeine konkrete Person fokussieren kann. Und so wird bei jedem Anschlag schon vom ersten Moment an nach Schuldigen gesucht. Das war in Berlin nicht anders. Hier einige der immer wieder geäußeren Schuldzuweisungen:

Schuldig ist der Innenminister von NRW, der ja überhaupt so einiges nicht im Griff zu haben scheint und in diesem konkreten Fall den mutmaßlichen Attentäter einfach nicht ständig unter Kontrolle hatte. Schuldig ist der Gesetzgeber, der nicht beachtet hatte, dass man eine Abschiebehaft nicht schon nach wenigen Tagen abbrechen kann und versäumt hat, den gesetzlichen Rahmen entsprechend anzupassen. Schuldig sind die Veranstalter des Weihnachtsmarktes, die so bodenlos leichtsinnig waren, die Märkte nicht gegen LKW-Angriffe zu schützen. Seit Nizza weiß man doch … Schuldig ist die Polizei, die stümperhaft hinter dem Falschen herhechelt und dadurch Zeit verliert.

Schuldig ist vor allem Frau Merkel, die in Befolgung des Asylrechts die Belange der Flüchtlinge vertreten hat und nicht die Belange der aufrechten Deutschen. Sie hätte doch wissen müssen, dass das Asylrecht nur für die Deutschen da ist, um ihrem Land nach dem deutschen Jahrmillionenverbrechen wieder ein besseres Image zu verpassen. Und so muss Frau Merkel wieder einmal den Kopf herhalten. Der Seehofer aus Deutschlands Süden will ihre falsche Politik zurechtrücken (“neu justieren” nennt er es in schmieriger Geschmeidigkeit). Der Kerl von der Frauke Petry meint in drastischer Deutlichkeit, die Toten vom Weihnachtsmarkt seien Merkels Tote. Also. Frau Merkel, nun wissen Sie’s: Sie haben 12 Menschen umgebracht. Die Aktivistin Pamela Geller (USA) veröffentlichte ein Foto von Merkel mit blutverschmierten Händen und Gesicht.

Irgendwie bin ich unsicher. Sind das wirklich schon alle Schuldigen? Da war doch noch einer, der hat im LKW gesessen und ist auf den Weihnachtsmarkt gebraust. Hat man den übersehen?

Angst

Die Bildzeitung verkündete es auf der Titelseite: Die Deutschen haben nun Angst. Das Wort “Angst” ging über die volle Seitenbreite; die Buchstaben waren 15 cm hoch. Klar, die 12 Toten, 40 Verletzten und 200 traumatisierten Zuschauer reichen nicht, da muss eine ganze Nation in die Opferrolle gepresst werden. Wer von sich aus keine Angst hat, dem muss man sie einreden. Ich selbst versuche ja auch, Angst vor Terroristen zu haben, aber ich schaffe es nicht, auch auf dem Weihnachtsmarkt nicht. Nicht, dass ich besonders mutig bin, nein, ich kenne auch Angst, zum Beispiel auf der Autobahn angesichts der Agressivität anderer Autofahrer. Aber Angst vor LKWs, die es auf ein Menschengedränge abgesehen haben?

Konsequenzen

“Wir lassen uns durch solche Verbrecher nicht unseren offenen, freiheitlichen Lebensstil kaputtmachen!” So oder ähnlich klingen die Beteuerungen der “Trauerredner”. Doch, tun wir, liebe Leute. Bei jedem Anschlag, egal wie schwerwiegend (oder leichtwiegend) und egal wo, unterwerfen wir uns ein weiteres Stück den Zielen der islamistischen Terroristen. Wodurch? Zum Beispiel durch mehr Video-Überwachung wie jetzt gefordert. Oder durch Straßensperren aus Beton, wie jetzt gefordert. Oder durch mehr Überwachung und Speicherung der Internetaktivitäten, wie schon seit langem gefordert und seit kurzem teilweise realisiert. Oder durch Einlasskontrollen in Stadien und Veranstaltungssälen. Oder durch Rucksackverbote. Selbst vor Video-Überwachung mit automatischer Gesichtserkennung scheuen wir uns nicht mehr zurück (Ankündigung useres Innenministers diese Tage).

Und wozu? Eine Frau, die gestern auf einem Weihnachtsmarkt interviewt wurde, brachte es auf den Punkt, als sie unbeirrt von den Berliner Ereignissen ihren Glühwein genoss: “Was soll das alles? Die Weinachtsmärkte werden erst mal sicher sein, so etwas wiederholt man nicht einfach so. Die Leute erfinden immer was Neues, mit dem wir heute überhaupt nicht rechnen können.”

Vielleicht können wir doch damit rechnen und uns vorsehen. Es kann ja sein, dass ein Terrorist anstatt der Kamera ein Sprengladung an eine Drohne hängt und von oben mal auf einen belebten Markt heruntersteigt. Ist es da nicht unverantwortlich, einen Markt ohne darüber gespannte Schutznetze zu betreiben? Es kann ja sein, dass mal ein Mensch mit Sprengstoffgürtel unter dem Mantel den Weihnachtsgottesdienst besucht. Folglich brauchen wir Einlasskontrollen an den Kirchentüren und Polizisten mit Maschinengewehren in den Seitenschiffen, oder? Es kann ja sein, dass eine Eisenbahnschiene vor einer Brücke und unmittelbar vor dem Eintreffen eines vollbesetzten ICE gesprengt wird. Brauchen wir nicht eine Totalüberwaschung der Gleissysteme vor sensiblen Streckenabschnitten?

Wie man sieht, kann man auf viele Bedrohungen sicherheitsbewusst und konsequent reagieren, am besten vorausschauend. Doch eine der größten Gefahren ist überhaupt nicht im Bewusstsein der Leute verankert. Sie schwebt unsichtbar und geruchlos im Hintergrund, nämlich im Netz. Gegen Cyber-Attentate hat man außer läppischem Passwortgehampel noch keine wirksame Schutzmaßnahme gefunden. Geht ja auch nicht, denn das Internet ist eine Heilige Kuh, die man nicht antastet. Dieses Rindvieh ist blöd genug, Terroristen behilflich zu sein.

Wie naiv seid ihr eigentlich?

Es hat in letzter Zeit immer wieder Leserbriefe gegeben, die ausnahmslos die Seehofer-Dobrindt-Maut verurteilen. Die bessere Alternative, so die Vorschläge, sei doch eine Erhöhung der Benzinsteuer. Alle, die dieses vorschlagen, haben ja recht. Die geplante PKW-Maut ist ohne Zweifel ein politisches Schundstück. Sie schadet dem ohnehin arg strapazieren Zusammenhalt in Europa, sie ist – wie jede Maut – ein Verstoß gegen Freiheitsrechte, und sie bringt nicht mal einen spürbaren Gewinn, zumindest nicht soviel, dass sich der bürokratische Aufwand lohnt. In der Tat, eine Erhöhung der Mineralösteuer wäre in jeder Hinsicht die deutlich bessere Lösung.

Da weiß natürlich auch ein Herr Dobrindt. So dumm kann er nicht sein, um diese offensichtlichen Zusammenhänge nicht zu erkennen. Was steckt dahinter? Sturheit? Sicher, das auch, aber mit bayrischer Sturheit alleine lässt sich das Festhalten an den Plänen nicht erklären. Nein, es geht um ganz was anderes, was die Bürger in ihrer Naivität überhaupt nicht in Betracht ziehen. Es geht schlicht und ergreifend darum, mit der Maut ein umfassendes Verkehrs-Überwachungssystem zu installieren. Die großen Autofirmen wie BMW, Daimler oder VW sorgen für die Vernetzung der Fahrzeuge, und die Politik sorgt für die ergänzende, stationäre Sensorik, dank der Lobbyarbeit der Autobranche.

Die Autofirmen sind wenigstens so ehrlich (in diesem Punkt), die zum Teil schon vorhandene Vernetzung zuzugeben. Sie kann den Kram ja gut als Fortschritt verkaufen. Die Politik hat’s da schwerer, weil der Maut-Erfassung keine beschönigenden Etiketten aufgeklebt werden können. Also muss das liebe Geld als Argument herhalten. Glückwunsch, meine lieben, naiven Mitmenschen.

Nur eine Frage

Einige Zitate aus der heutigen Ausgabe (9.12.16) unserer Tageszeitung (IVZ):

“Es gibt nur zwei Arten von Unternehmen: Die, die gehackt wurden, und solche, die noch gehackt werden.” (Robert Mueller, FBI-Chef, vor viereinhalb Jahren)

“Eigentlich besteht die zweite Gruppe aus Firmen, die nur noch nicht wissen, dass sie schon gehackt worden sind.” (John Chambers, Chef des Netzwerk-Ausrüsters Cisco)

“Es gibt kein Großunternehmen in Deutschland, das nicht bereits in den Fokus gezielter Cyber-Angriffe gerückt ist. … Gelingt die Infiltration in das Weiterlesen

Der smarte Unsinn

Smart – smart – smart …

Dieses Wort löst bei mir inzwischen so etwas wie Ekel aus. Smart – das steht doch für glatt und oberflächlich, für schön und nichts dahinter, für angenehme Täuschung, neuerdings auch für technische Wellness.

Die schöne, neue Welt verwendet den Begriff als Etikett für technischen Komfort bzw. für das, was man den Menschen als Komfort unterschieben will. Insofern ist der Begriff ‘smart’ gar nicht mal so verkehrt. Und da ja alles über die ‘Zweite Welt’, also das Netz der Netze, abgewickelt werden muss (alles andere wäre purer Rückschritt), steht ‘smart’ inzwischen für die Vernetzung an sich. Peinlich wird’s allerdings dann, wenn Weiterlesen

Facebook

Dieser Beitrag von Anfang November 2016 wurde am 01.12.2016 überarbeitet und ergänzt.


Was ich von Facebook halte, habe ich in verschiedenen Beiträgen schon deutlich gemacht: nicht viel, eigentlich gar nichts. Nun stieß ich im ‘Spiegel’ Nr. 40 vom 1.10.2016 auf einen interessanten und aufschlussreichen Artikel, der für mich Anlass ist, noch einmal gründlich über dieses Netzwerk nachzudenken und meine Sicht auf Facebook zu klären.

Der Artikel von Jan Fleischhauer ist überschrieben mit “Die Hass-Maschine” und hat die in letzter Zeit immer häufiger anzutreffenden Hass-Kommentare zum Inhalt, genauer das Verhalten von Facebook, wenn derartige Kommentare oder Posts dem Netzwerk Weiterlesen