“Vom Smartphone zum Smart Home”

So lautete der Titel des Beitrags in einer Wochenendbeilage unserer Tageszeitung. Zwei Aussagen in diesem Artikel gaben mir zu denken. Erstens: Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung sind 72% der Bundesbürger vom Konzept des Smart Home überzeugt. Und zweitens: Rund ein Viertel besitzt bereits ein Smart-Home-Produkt.

Das sind bedrückende Zahlen, die nicht hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lassen. Fast drei Viertel der Menschen sind davon überzeugt? Da muss man etwas näher hinschauen und die Frage stellen, was am smarten Haus eigentlich so überzeugend Weiterlesen

Individualisierung – Personalisierung

Individualisierung – ein schon länger anhaltender Trend, der zurzeit jedoch einige Höhepunkte erlebt. Individualsierung spielt zum Beispiel in der Pädagogik eine Rolle, und zwar schon seit längerem. Hier ist es die sogenannte ‘innere Differenzierung’, die dem Lehrer abverlangt, sich methodisch auf die unterschiedlichen Leistungsprofile und Lerntypen einzustellen, ein hoher Anspruch. Die Forderung nach Inklusion erhöht den Individualisierungsaufwand noch einmal ganz beträchtlich.

Individualisierung ist also das Bestreben, dem einzelnen Menschen gerecht zu werden und nicht alle über einen Kamm zu scheren. Insofern ist die Individualisierung zunächst mal etwas Positives, denn die Menschen sind nun mal sehr verschieden, und es geht darum, zum Nutzen des Einzelnen und der Gemeinschaft richtig mit dieser Verschiedenartigkeit umzugehen. Dadurch können individuelle Kräfte gefördert und Weiterlesen

Gehaltsexzesse

Die SPD will nun einen Gesetzentwurf einbringen, der die unseriös hohen Managergehälter und -boni beschneiden soll. Nein, nicht viel, es bleibt immer noch genug übrig, um den Garten hinter der Villa mit geschredderten Geldscheinen mulchen zu können.

Klar, dass die Menschen mehrheitlich für solche Maßnahmen sind, denn die derzeitigen Einkommen der Spitzenverdiener überschreiten wirklich jedes erträgliche Maß. Aber es gibt auch Gegenmeinungen. So wurde in mehreren TV-Nachrichtensendungen ein Mensch präsentiert, der die Beschneidung der Spitzeneinkommen ablehnte und als Irrweg bezeichnete. Ich weiß nicht, ob der Typ aus der Wirtschaft kommt oder aus dem Weiterlesen

Smarte Opfer

Nein, ich meine hier nicht die sozialen Opfer der smarten Kommunikationswelle, sondern die Verkehrstoten und Verkehrsverkrüppelten, die blindlings mit dem smartem Fummelding in der Hand durch die Gegend düsen, zu Fuß, auf dem Rad oder im Auto. Innenminister Jäger spricht von einer ‘Smartphone-Seuche’ und ein Redakteur unserer Tageszeitung, Hilmar Riemenschneider, überschreibt seinen Kommentar dazu mit “Bester Freund – größte Gefahr”.

Das mit der größten Gefahr sehe ich ja ein, aber warum er dieses Ding als ‘besten Freund’ bezeichnet, ist für mich schleierhaft. Ich verstehe einfach nicht, was die Leute an diesem Ding finden. Sicher, man kann einige nützliche Sachen damit erledigen, die man andererseits auch ohne ganz gut erledigen könnte. Sicher, die Smarties sind Weiterlesen

Schöne neue Welt …

… so heißt der Titel einer TV-Sendung, die gestern abend von Phoenix ausgestrahlt wurde. Hier geht es um die neuen Informationstechniken, worum sonst wohl? Unter anderem wurde Astro Teller, einer der führenden Persönlichkeiten bei Google, zitiert. Dieser Teller schwärmt natürlich von den neuen Techniken, auch von der Geschwindigkeit, mit der sie sich ausbreiten und praktisch von allen Bereichen des modernen Lebens Besitz ergreifen.

Teller sieht aber auch, dass die Menschen Probleme haben, mit dieser Geschwindigkeit Schritt zu halten. Sein Kommentar dazu ist, dass die Menschen sich stärker und schneller mit den neuen Techniken anfreunden sollten, das sei einfacher und effektiver als dass man die Technik wegen der Menschen abbremsen würde.

Ich weiß nicht, ob dem Teller bewusst ist, dass er in diesem Satz die entscheidende Fehleinschätzung der digitalen Moderne zum Ausdruck bringt. Die Menschen müssen sich, damit die Digitalisierung funktioniert, den technischen Entwicklungen anpassen? Falsch, Herr Astro. Nicht die Menschen haben sich nach der Technik zu richten, sondern die Technik hat sich in den Dienst der Menschen zu stellen und ihre Wünsche, ihre Ängste, ihre grundlegenden Rechte usw. zu berücksichtigen. Und zwar ohne Einschränkungen, und ohne in populistischer Pose den digitalen Heilsbringer zu spielen. Es hat den Anschein, dass die Experten im Silicon Valley gut mit Algorithmen umgehen können, aber nicht mit Menschen. Kein Wunder, wenn man den ganzen Tag in virtuellen Räumen herumgeistert, wenn Verstand und Emotionen virtualisiert werden.

Ganz abgesehen davon ist das Statement von Astro Teller schlichtweg verlogen. Er verlangt, dass sich die Menschen (natürlich zu ihrem Vorteil – Google macht ja die Welt zu einem besseren Ort) der technischen Entwicklung anpassen müssen; er meint aber, dass die Menschen möglichst schnell und möglichst alle unter den technischen Überwachungsschirm von Google kriechen sollen. Astro Teller sieht es als Nachteil, wenn die technische Entwicklung gebremst werden müsse; er meint aber den Nachteil, der für Google entsteht, wenn im harten Wettbewerb um global-digitale Machpositionen nicht der derzeitige Schwung ausgenutzt werden kann. Noch lassen sich die Menschen treiben, weil sie ahnungslos sind. Noch hat Google einige Jahre Vorsprung, den Herr Astro Teller offenbar ausnutzen will.

Grundrechte vs. Sicherheit

Ich weiß nicht mehr, welche Fernsehsendung es war, ich stieß eher zufällig drauf: Es ging wohl um die derzeit diskutierte Videoüberwachung. Ein Mann mittleren Alters äußerte seine Meinung und sagte, man solle doch nicht fundamentalistisch an den Grundrechten festhalten, sondern diese gegen andere Werte, wie zum Beispiel Sicherheit, abwägen. Er verlangte so etwas wie ein Umdenken.

Gut, ich habe seine Meinung zur Kenntnis genommen und setze meine Meinung dagegen. Die Grundrechte sind unantastbar und unteilbar. Punkt. Nichts, aber auch gar nichts darf diese Rechte, auf denen unser gesamtes Gemeinwesen basiert, einschränken oder in Frage stellen. Es ist besser, Gefahren in einem rechtlich gesicherten System in Kauf zu nehmen als Sicherheit in einem unsicheren, rechtlich bedenklichen System zu erzeugen. Diese Sicherheit steht zwangsläufig auf wackeligen Füßen.

Natürlich hat der Mensch im Fernsehen das Recht, seine Meinung zu äußern. Aber er sollte auch mal bedenken, dass diese Meinungsäußerung nur auf der Basis der Grundrechte gesichert ist. Wenn er diese relativieren will, muss er sich Fragen nach der Berechtigung seiner Meinungsäußerung gefallen lassen.

Geradezu heimtückisch ist die Verwendung des Begriffs “fundamentalistisch”. Damit soll der Eindruck erzeugt werden, als sei das Festhalten an den Grundrechten so etwas wie das überspizte, starrsinnige Beharren auf Prinzipien. So jedenfalls wird der Begriff in der Regel verstanden. Doch wenn es um Grundrechte geht, gibt es keine überspitzte Haltung. Grundrechte sind fundamental, ja das stimmt, aber sie können nicht fundamentalistisch besetzt werden.

Klebriger Schmutz

Wir alle kennen das Bild, denn es ging 2015 durch sämtliche Medien. Der syrische Flüchtling Anas Modamani, froh, endlich in Deutschland angekommen zu sein und vor allem von Dankbarkeit gegenüber unserer Kanzlerin erfüllt, schoss ein Selfie, das ihn und Frau Merkel zeigt. Strahlendes Dokument einer Euphorie, die sich leider bald als Utopie entpuppen sollte.

Das Bild tauchte natürlich auch in den sozialen Medien auf, vor allem auf Facebook, und wurde Modamani zum Verhängnis. Es wurde zu einer Montage verwendet, die ihn in die Nähe zu Terroristen rückte und damit die Flüchtlingspolitik Merkels anprangern sollte. Eine ganz klare Fälschung und eindeutig rechtswidrig, aber wie das auf Facebook so ist, sie wurde begeistert ‘geteilt’, immer wieder, immer weiter.

Klar, dass Modamani von Facebook die Löschung der manipulierten Posts verlangte, und Facebook sagte auch zu, denn der Sachverhalt war eindeutig. Aber das Problem lässt sich augenscheinlich nicht so ohne weiteres lösen, denn die Beiträge werden ja Weiterlesen

Dortmund – Leipzig

Die Welt steht kopf. Nun wird auch die Fangemeinschaft von Borussia Dortmund von einer Shitstormblase erfasst und gerät völlig aus den Fugen. Mein Gott, die ganze Fußballwelt hat Dortmund um diese tollen Fans beneidet, es war von Gänsehaut die Rede, wenn in der Fankurve der Song “You’ll never go alone” angestimmt wurde. Und nun dieses: Im Stadion etliche Meter breite Transparente mit Hassparolen auf RB Leipzig, Banden vor dem Stadion, die über unschuldige Leipziger Fans herfielen, egal ob Männer, Frauen, Kinder. Was geht da vor?

Halten wir fest: Natürlich ist RB Leipzig kein Tradtionsverein im herkömmlich-sportlichen Sinne. Die Mannschaft wurde von einem Multimillionär oder gar Milliardär, ich weiß es nicht, zusammengekauft, so wie vor einigen Jahren Hoffenheim. Natürlich hat das mit Sport nichts zu tun. Aber mal ehrlich: Hat das Geldverdienen im großen Stil, Weiterlesen

Nuklearisierung – Digitalisierung

Zwei Dinge, die auf den ersten Blick kaum etwas miteinander zu tun haben. Riskieren wir einen zweiten Blick. Doch vorher sollten die Begriffe geklärt werden.

Nuklearisierung – ich bin mir nicht sicher, ob dieses Wort existiert. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Jedenfalls verstehe ich darunter alle Bestrebungen, nukleare Technik zu entwickeln und sich zunutze zu machen. Das gilt sowohl für den zivilen Bereich (Atomenergie) als auch für den militärischen (atomare Waffen). Daneben gibt es noch Weiterlesen

Kellyanne Conway, das Prachtstück

Ehrlich, Kellyanne, wir alle lieben dich, denn du bist ein Prachtsück, ein wahres Prachtstück. Na ja, ein alternatives Prachtstück, und es ist wohl so was wie alternative Liebe. Es sei denn, wir verstehen diese Wortdreherei auch alternativ. Dann wiederum – ach was, stürzen wir uns einfach ins Chaos. Auf zu neuen Wahrheiten!