Viele, viele Roboter

So jedenfalls wirkten die Fernsehreportagen über die Hannover-Messe 2017 auf mich. Sie sind offenbar voll im Trend, diese netten Gesellen mit ihren Händen aus Kunststoff oder Eisen und dem Charme von Blechbüchsen. Roboter als Partner des Menschen: im Betrieb, zu Hause, an der Tischtennisplatte usw. Ok, kann ich da nur sagen, solange ich keinem dieser Pseudomenschen die Hand geben muss, solange sie mir nicht als Gesprächspartner aufgedrängt werden, oder solange sie mir nicht den Kaffee einschenken, habe ich nichts gegen sie. In Betrieben können sie meinetwegen machen, was ihnen der Werkstattchef oder ihre künstliche Intelligenz vorschreibt; ich selber möchte mit ihnen aber nicht umgehen müssen. Ich unterhalte mich lieber mit Menschen, arbeite lieber mit Menschen zusammen und verlasse mich lieber auf Weiterlesen

Gedankenleser

Es war nur eine kurze Reportage in einer insgesamt auch kurzen TV-Nachrichtensendung gestern abend. Dabei ging es darum, wie weit und mit welchen Mitteln man mit Hilfe moderner Technik die Gedanken von Menschen erfassen und algorithmisch auswerten kann. Verschiedene Verfahren wurden angedeutet, wobei mir regelrecht auffiel, dass es immer nur um die Realisierungsmöglichkeiten ging, niemals um die Frage, ob man überhaupt in die Gedankenwelt von Menschen eindringen darf.

Die Problematik hat zwei Dimensionen. Die eine betrifft den medizinischen Sektor. Man arbeitet daran, dass schwerstbehinderte Menschen, bis hin zu Wachkoma-Patienten, evtl. in die Lage versetzt werden, sich mit Gedankenimpulsen fortzubewegen oder sich zu äußern. Die erforderliche Sensorik würde in solchen Fällen eng mit dem Körper der Weiterlesen

Das letzte Notizbuch

Eigentlich war es nur eine kurze Zeitungsnotiz, über die man normalerweise hinweglesen würde: Ein Bild, das verschiedene, edle Notizbücher und Taschenkalender zeigte, darunter ein kurzer Text: “20 Jahre Moliskine – Alternative zur digitalen Welt”.

Mich machte der Kurzartikel neugierig, zum einen wegen des unsinnigen Geredes von der “digitalen Welt”, zum anderen weil ich selbst eine Reihe ähnlicher Notizbücher besitze, die für mich einen außerordentlich hohen, persönlichen Wert haben. In dem kurzen Text geht es darum, dass die Umsatzzahlen des Mailänder Unternehmens ständig steigen. Und das in der digitalen Zeit? Man liest zwischen den Zeilen das Weiterlesen

Nix gelernt

Tja, da kann der große Sultan am Bosporus endlich aufatmen; er hat es geschafft. Nicht überraschend, wie ich finde, und deshalb hat es mich nicht sonderlich berührt. Meine Wut habe ich schon im Vorfeld zum Ausdruck gebracht.

Irgendwie ist bei dieser Prozedur einiges um 180° verdreht worden. In den letzten Monaten hat der angehende Sultan immer wieder Deutschland auf übelste beschimpft und unserem Land Nazimethoden vorgeworfen. Absurder geht es kaum, doch andererseits hat Erdogan selbst einiges praktiziert, was verblüffende Parallelen zur Naziherrschaft aufweist: die Mobilisierung der eher unwissenden Massen, das künstlich Weiterlesen

Marc Elsberg: Blackout

Nein, dieses soll keine Rezension sein, so etwas würde ich mir nicht anmaßen. Nur einfach ein paar persönliche Gedanken zu diesem Buch:

Die Story ist einfach und eindimensional. Hacker haben die Stromnetze zuerst in Europa, dann auch in den USA lahmgelegt, und nun beginnt die Suche nach den Urhebern der Katastrophe, wodurch die Story gewissermaßen zu einem Krimi wird. Das Besondere am Geschehen ist, dass die Hacker nicht nur das Stromnetz außer Betrieb gesetzt haben (das ist nichts Besonderes und kann heutzutage von jedem mittelmäßigen Geheimdienst locker praktiziert werden), sondern dass sie dafür gesorgt Weiterlesen

Ich kann’s nicht glauben

Da hat im März eine Befragung stattgefunden, und zwar sollten die 18-34-Jährigen, also die Vertreter der sogenannten ‘Millenium-Generation’, sich dazu äußern, wie sie sich das Auto der Zukunft wünschen. Nun ist das so eine Sache mit dem Verhältnis zum Auto. Für viele hat das Auto einen ganz zentralen Stellenwert in ihrem Leben, manche Zeitgenossen (vor allem männliche) haben sogar ein ausgesprochen erotisches Verhältnis zu ihrer Blechkiste. Ok, in dieser Beziehung bin ich wie ein Eunuch; für mich sind diese Kutschen reine Gebrauchsgegenstände. Ich kann mich auch über Kratzer nicht sonderlich ärgern, denn Gebrauchsspuren werten einen Gebrauchsgegenstand auf. Normalerweise. Wenn das bei Autos anders ist, dann muss sich das Verhältnis zum Auto einige kritische Fragen gefallen lassen. Egal, wenn jemand zärtlich über den edlen Lack streicht und dabei einen Orgasmus bekommt, ist das seine Sache. Weiterlesen

Fortschritt ausbremsen?

Ein Leser dieses Blogs konnte nicht fassen, dass ich immer wieder gegen den digitalen Fortschritt anschreibe. “Sollen wir zurückgehen in die analoge Zeit? Fortschritt ist nun mal digital, und den kann man doch nicht ausbremsen wollen.”

Richtig, Fortschritt soll man nicht bremsen, das ist auch meine Meinung, egal, ob wir den Fortschritt mit analogen oder digitalen Mitteln erreichen wollen. Wer meine Beiträge gründlich gelesen hat, der weiß, dass es mir um etwas anderes geht: Es geht schlichtweg darum, dass zuerst mal geklärt werden soll, was Fortschritt eigentlich ist. Weiterlesen

Digitalisierung und das ZDF

Bei den folgenden Betrachtungen soll es nicht darum gehen, wie weit das ZDF oder allgemein die Medienlandschaft digitalisiert ist, sondern vielmehr darum, wie die Medien die derzeitige Digitalisierungswelle beurteilen. Ich greife das ZDF heraus, weil ich hier einige Besonderheiten entdeckt habe, die man allderdings nicht verallgemeinern sollte. Ich meine die Bedeutung, die man der Problematik beimisst.

Ich will es gleich auf den Punkt bringen: Warum sendet das ZDF einige Beiträge, die sich kritisch mit der Digitalisierung auseinandersetzen, erst gegen Mitternacht, wo kaum noch jemand zuschaut bzw. den Beiträgen folgen kann? Und verdient haben es diese Sendungen, dass man ihnen konzentriert folgt, denn die Thematik betrifft nichts Geringeres als die Zukunft unserer Gesellschaften. Wenn eine bedeutende Fernsehanstalt mit dem Anspruch auf eine gewisse Seriosität solche kritischen Weiterlesen

Pixel statt Panzer

Die Bundeswehr ist es leid, immer diese Angriffe von ausländischen Geheimdiensten, immer diese drohende Gefahr vor Cyberangriffen. Da muss man sich absichern, klar doch. 13500 Soldaten sollen sich mit Abwehr und Angriff im Cyberraum beschäftigen. Immerhin hat es in den den ersten 2 Monaten dieses Jahres schon rund 280.000 bedenkliche Angriffe auf die Netzstrukturen der Bundeswehr gegeben.

In einem TV-Beitrag gestern abend wurde demonstriert, wie sehr die Bundeswehr in allen Belangen vom Internet abhängig ist. Ohne Internet kann die Bundeswehr gar nicht existieren. Auch ja, jetzt weiß ich auch, warum es 1980, als es noch kein Internet gab, auch die Bundeswehr noch gar nicht da war. Sie konnte nicht da sein. Weiterlesen

Big Data – wohin steuert die Welt?

Big Data – wie lange es diesen Begriff schon gibt, kann ich nicht sagen. Jedenfalls stieß ich vor zwei oder drei Jahren das erste Mal darauf, und zwar im Zusammenhang mit der Datensammelei von Google. Big Data, das war so etwas wie ein Synonym für digitale Fehlentwicklung, gleichzeitig eine Warnung: Wenn wir die Datensammelei nicht stoppen, dann steuern wir unaufhaltsam auf Big Data zu. Big Data, Big Brother- zwei große Gesellen, die durchaus zusammenpassen. Oder auch Big Data als digitale Apokalypse, so kam es mir vor.

Das war, wie gesagt, vor zwei oder drei Jahren, also in grauer Digitalvorzeit. Inzwischen ist der Begriff sogar salonfähig geworden. Selbst unsere Bundeskanzlerin scheut nicht vor Big Data zurück; im Gegenteil: sie ist eine glühende Verehrerin des großen Weiterlesen