Sichtweisen

Und die einen sind im Dunkeln,
und die andern sind im Licht.
Doch man sieht nur die im Lichte,
die im Dunkeln sieht man nicht.

B.Brecht

Frau Merkel betont bei jeder Gelegenheit, dass wir zur Zeit das beste Deutschland aller Zeiten hätten, nie sei es den Menschen in Deutschland so gut gegangen wie jetzt.

Fragt sich natürlich, welche Menschen Frau Merkel im Blick hat. Noch ist es so, dass die Leute, die im Licht stehen, eine wahlwirksame Mehrheit haben, und damit das so bleibt, werden entsprechende Maßnahmen getroffen. Dazu gehören die Steuerentlastungen für untere und vor allem für mittlere Einkommen. Es ist halt wichtig, dass niemand in die Dunkelheit abgleitet. Die im Dunkeln sind ohnehin nicht zu retten, Weiterlesen

Kontakte

Eine Woche Nordsee – meine Güte, wie gut das tut. Radfahren am Deich entlang, Lesen in einem spannenden Buch oder einfach nur den Himmel betrachten, sich in der Wolkenlandschaft verlieren. Und vor allem – kein Smartphone. Man selbst braucht keines, und es macht froh zu sehen, dass andere auch ohne so ein Ding auskommen. Sicher, gelegentlich werden in der Kurverwaltung im Leseraum mit öffentlichem WLAN schon mal die Laptops aufgeklappt, aber das alles hält sich in Grenzen. Man spürt, dass es Wichtigeres gibt als ständig in einer toten, virtuellen Schein- und Parallelwelt herumzukriechen. Atmen, sehen, riechen, fühlen – kein noch so leistungsfähiges Smartphone kommt an die Schwalben heran, wenn sie einen wenige Zentimeter über dem Boden umkreisen.

Dann ein Abstecher in den größeren Ort, der Imbiss im Restaurant des Kaufhauses. Weiterlesen

SmartHome – so’ne Kacke

Niemand wird ernsthaft bestreiten wollen, dass die sogenannte “Digitalisierung” viele Dinge hervorgebracht hat, die es besser nicht gäbe. Wenn man es nüchtern betrachtet und sich nicht von der digitalen Welle einfach mitreißen lässt, wird man zu der Erkenntnis gelangen, dass die negativen Auswirkungen die positiven bei weitem übertreffen. Zu den miserabelsten Erzeugnissen der Digitalisierung gehört zweifelsohne das SmartHome. Es zeichnet sich durch ein groteskes Maß an Überflüssigkeit aus und befeuert darüber hinaus das Eindringen von Überwachungsmechanismen in die letzten privaten Schutzräume der Menschen, nämlich in ihre Wohnungen. Besonders bedrückend daran ist, dass es Menschen gibt, die den überflüssigen Scheinkomfort begrüßen und die Kontrolle ihrer privaten Umgebung schulterzuckend akzeptieren.

Nun ist das Thema SmartHome in diesem Blog nicht neu; eigentlich ist schon alles dazu gesagt. Doch da lag wieder eine Ausgabe des innogy-Kundenblättchens im Weiterlesen

Wichtige Opposition

“Groß geworden mit Angela Merkel”.

So die dicke Überschrift über einem Zeitungsartikel der heutigen IVZ. Es geht in dem Artikel um die Jugend und ihre Einstellung zur Politik und zu Politikern. 35% der Jugendlichen ist mit der Kanzlerschaft von Merkel zufrieden. Wieso das? frage ich mich, ist die Jugend so angepasst, so kritiklos geworden? Und dann: Na klar, die jungen Leute kennen doch gar nichts anderes mehr als eine Kanzlerin namens Merkel. Sie können sich eine Alternative gar nicht vorstellen. Wie auch?

Dahinter steckt aber ein ernst zu nehmendes Problem. Jede gesunde Demokratie benötigt eine kräftige (!) Opposition, sonst strömt alles in eine Richtung, von der niemand mehr fragt, ob es die richtige ist. Das kann gefährlich werden, selbst wenn Weiterlesen

Freihandel vs. Protektionismus

Meinen ursprünglichen Beitrag zum Thema G20-Gipfel habe ich wieder gelöscht. Es ist einfach nur widerlich, wie Politiker und einige Journalisten meinen, die Krawalle in Hamburg aufarbeiten zu müssen. In diesem Topf voll Schmutz und abstoßendem Wahlkampfgetöse muss ich nicht herumrühren, dazu bin ich mir zu schade.

Stattdessen nur eine kleine Bemerkung zu einem zentralen (inhaltlichen) Thema des Gipfels, nämlich den Kampf gegen Protektionismus. Protektionismus ist das Schreckgesprenst des modernen, globalen Kapitalismus, und Freihandel ist die Lösung, mit der die ganze Welt in eine bessere Zukunft geführt werden soll. Kein Wunder, dass sich insbesondere unser Nationalmoderatorin, Frau Merkel, sehr für dieses Anliegen einsetzt, auch auf dem genannten Gipfel.

Komisch, mir fällt noch was anderes zu den beiden Begriffen ein. Protektionismus bedeutet zwar eine nicht zeitgemäße Abschottung, doch das Wort hat irgendetwas mit Schutz zu tun. So wie man in Deutschland überlegt, wie man deutsches Know-How vor chinesischen Langfingern schützen kann. Auch das ist Protektionismus. Und Freihandel? Freier Handel = freie Hand für die Stärkeren. Tja, da bleiben wohl viele Verlierer zurück. Ob die in Schmutzhütten und Slums vegetierenden, schwachen Erdenbewohner auch wohl von Freihandel träumen?

“Wortklauberei”, werden die Wirtschaftsexperten entgegnen, “Protektionismus kann nicht schützen, und freier Handel hilft letzten Endes den Schwachen auf die Beine.” Ja, sie glauben dran, die Experten. Vielleicht haben sie sogar recht, aber können einige Wörter nicht trotzdem Anlass sein, mal in die andere Richtung zu schauen, mal etwas in Frage zu stellen, was gemeinhin und kritiklos als gut und gültig postuliert wird? Mit der Digitalisierung verhält es sich ja ähnlich.

Unfehlbarkeit

Fehldiagnosen, zweifelhafte Personalentscheidungen, falsches Verhalten im Verkehr. Sven faltet die Tageszeitung zusammen. “Das alles können wir in den Griff kriegen, wenn wir erst mal die Digitalisierung. so richtig umgesetzt haben. Mit der künstlichen Intelligenz wird alles besser.”

Lara widerspricht: “Falsch. Nicht besser, vielleicht perfekter.”

“Ist das nicht dasselbe?”

“Nein, das ist nicht dasselbe. Wenn wir eine bessere Welt anstreben, dann wollen wir doch vor allem mehr Menschlichkeit. Menschlichkeit ist was anderes als Perfektion.

Sven zuckt die Schultern und steht auf. So ganz hat er es nicht verstanden. Kein Wunder bei diesem digitalen Getöse ringsum, da sind gewisse Dinge nicht mehr gedanklich zu erreichen.


Nein, der Mensch ist kein Auto, das man an einen Inspektionscomputer anschließen kann. Und künstliche Intelligenz, was immer man darunter verstehen mag, darf man allenfalls auf künstliche Dinge anwenden. Menschen den Entscheidungs- und Beurteilungsmechanismen von künstlicher Intelligenz zu unterwerfen, ist unmenschlich und zynisch.

Menschen sind unvollkommen und machen Fehler. Um ihnen gerecht zu werden, brauchen sie Einfühlsamkeit und Verständnis. Sie brauchen Leiter, die menschlich reagieren und urteilen, ja, von Fall zu Fall auch mal fünf gerade sein lassen. Was sie nicht brauchen, ist Besserwisserei von digitalen Wesen.

Noch einmal: Solange es sich um Dinge, Fertigungsprozesse, mechanische Abläufe usw. handelt, da digitalisiert meinetwegen so weit es sich mit eurem Sicherheitsverständnis vereinbaren lässt. Doch Maschinen mit künstlicher Intelligenz (was immer usw.) auszustatten und auf Menschen loszulassen, das geht nicht. Diese Viecher gehören in einen Zoo. Am besten sperrt ihr deren Schöpfer mit ins Gehege; da können sie sich an ihrem Homo Digitalis auslassen ohne Schaden anzurichten.