Schicksalsfragen

Wir saßen zusammen bei Kaffee und Tee und unterhielten uns. Wir, das waren ein befreundetes Ehepaar, meine Frau und ich. Die Gesprächsthemen wechselten oft und waren breit gestreut: Es ging um Baulärm, Bienensterben, Verkehrsstaus am Elbtummel und ähnliche Dinge. Narürlich kam auch Bürgerkunde nicht zu kurz. “Lebt eigentlich Frau Sowieso noch? Die war doch so krank.” “Nein, die starb schon vor 4 Wochen. Und nun steht der Mann mit den drei Kindern allein da.” Seufzend: “Ja, das ist schon ein hartes Schicksal.”

Plötzlich wendete sich die Frau meines Freundes direkt an mich  und wollte wissen, ob ich an ein Schicksal glaube. Ich fragte nach, ob sie damit so etwas wie ein vorbestimmtes Los denke, an so etwas wie Vorsehung. Sie nickte. Mir fiel keine passende Antwort ein; Weiterlesen

Ergonomische Katastrophe

Vorweg: Ich mag keine Smartphones. Zum einen stößt mich (bekennender Anhänger der Digitaltechnik übrigens [1]) dieses pseudodigitale Fummeln auf den Touchscreens ab, zum andern sind mir diese Geräte einfach – zu mickrig. Sicher, sie können viel, aber kaum etwas richtig gut. Und so gebrauche ich mein Smarty nur ganz selten: gelegentlich mal zum Telefonieren oder um, wenn’s dringend ist, mal eine SMS zu senden oder zu empfangen. Auch die GPS-Funktion kann mitunter nützlich sein, zum Beispiel, wenn ich beim Wandern einen Weg nicht finden kann. Fotografieren? Ja, auch das, wenn ich die richtige Kamera aus irgendeinem Grunde nicht bei mir habe. Doch wenn ich mir die Bilder am Computer betrachte, dann merke ich schnell, dass das Knipsen mit diesen Dingern wenig mit richtigemFotografieren zu tun hat. Egal, was soll’s, die Leute sind anscheinend damit Weiterlesen

Tolle Zukunft

Eine neue Generation von Helfern rückt heran. Egal, ob diese digitalen Potenzbolzen als abstrakte Algorithmen in Servern herumwirbeln, oder ab man sie in ein Gehäuse aus Kunststoff oder Metall steckt und dann “Roboter” nennt, die Menschheit erwartet Großes von diesen neuen Wesen. Und die Entwickler, oft mit fundamentalem Gehabe, starren wie gebannt auf die Superzukunft. Und die Verkäufer in den Camps im Silicon Valley versprechen den totalen Komfort, verbunden mit einem elementaren, unzerstörbaren Glücksgefühl.

Ach ja, das Silicon Valley. Gibt’s jenen Urtypen noch, der dort in der Anfangszeit der Digitalisierung das Maß aller Dinge festlegte und den Fortschritt skalierte? Ich meine den Gordon Moore, der die Beobachtung eines gewissermaßen exponentiellen Wachstums in Weiterlesen

Zwergenaufstand

Ach, dieser Alexander Dobrindt. Ich will jetzt seinen arroganten und bescheuerten Ausspruch vom Zwergenaufstand in der SPD nicht wiederholen, das Gerede ist einfach zu blöd. Immerhin kennt der Dobrindt sich mit Zwergen aus, denn als Verkehrsminister hat er sich als politischer Zwerg geoutet. Was Vernünftiges hat er nicht hinbekommen; entweder er hat’s überhaupt nicht auf die Reihe gekriegt (Aufarbeitung der Dieselskandale) oder es ist Scheiße herausgekommen (PKW-Maut). Ein bisschen erinnert er mich an einen pausbäckigen Gartenzwerg: klein mit dicker Backe.

Liebe CSU, was die politischen Ansichten betrifft, liegen Lichtjahre zwischen euren und meinen Standpunkten, doch trotz allem bewundere ich eure Standfestigkeit. Euer Dobrindt ist aber nicht standfest, der ist einfach nur stur, arrogant, verbohrt und stur. Es sprechen viele Gründe gegen eine neue GroKo (wenig dafür), doch Dobrindt ist ein schwerwiegender Grund für die SPD, von der GroKo die Finger zu lassen.

Nun auch der Beamtenbund

Das Klagelied einiger Zeitgenossen ist inzwischen zu einem furisosen Chor angeschwollen: Deutschland muss mehr für die Digitalisierung tun. In der Beziehung hinkt Deutschland weit hinterher. Skandal! Nun hat sich auch Ulrich Silbernagel, der Chef des Deutschen Beamtenbundes, in den Chor eingereiht. Ausgerechnet er, der ja Vertreter einer Menschengruppe ist – sein sollte. Wohlwissend, dass immer mehr der ihm anvertrauten Manschen auf Dauer durch die Digalisierung ihren Job verlieren. Es fällt schwer, das zu kapieren.

Natürlich zieht auch Silbernagel das gelobte Land der digitalen Zeit, Estland, zum Vergleich heran, verschweigend, dass es in Estland enorme soziale Probleme gibt, weit überdurchschnittlich. Und auch wirtschaftlich hat die Digitalisierung keinen nennenswerten Durchbruch geschafft. Die Unzufriedenheit der Esten ist sehr hoch, trotz der inzwischen fast totalen Digitalisierung – oder deshalb? Silbernagel gesteht ein, dass es wegen der Weiterlesen

Halb voll oder halb leer?

Das halb volle oder halb leere Glas, jeder kennt dieses abgedroschene Beispiel zur Charakterisierung von Optimisten oder Pessimisten. Nun muss man das ja nicht nur auf edle Getränke im Wein- oder Whiskyglas beschränken; man kann dabei auch an halb voll gelaufene oder noch halb leere Keller in Übeschwemmungsgebieten denken, wobei die Bewertung der Situation um 180° gedreht wird.

Wenn’s um Bargeld geht, hört man oft das Argument: Deutschland ist, was bargeldlosen Zahlungsverkehr betrifft, noch nicht so weit wie andere Staaten. Auch vom Hinterherhinken ist gelegentlich die Rede. Ja, woran sollen wir nun denken, an Trinkgläser oder geflutete Kellerräume? Wie wär’s denn mal mit folgender Betrachtungsweise: Was den Schutz des wertvollen Bargeldes betrifft, ist Deutschland schon ziemlich weit, die meisten anderen Staaten hinken hinterher. Ok, wenn wir die aktuelle Tendenz in der Formulierung berücksichtigen, dann können wir auch sagen: Im wichtigen Bargeldschutz hat Deutschland noch eindeutig die Nase vorn.

So ist das nun mal mit dem Uminterpretieren von Werten und der derzeitigen Tendenz, die Definition gesellschaftlicher Werte dem Gewinnstreben der Wirtschaft oder dem Bequemlichkeitsbedürfnis der Bürger zu überlassen. Da gerät einiges unter die Schuhsohlen, wird plattgetreten und schließlich ausgekehrt.

Neujahrsvorsätze

“Die Welt wartet nicht auf Deutschland.” So unsere Bundeskanzlerin um die Jahreswende. Damit meint sie, dass es Zeit wird, eine stabile Regierung zu bilden, um weiterhin die Geschicke der Welt an vorderster Front mitbestimmen zu können.

Gut, man könnte nun über die wahren Motive unserer Kanzlerin nachdenken, und inzwischen kennen wir sie (die Motive und die Kanzlerin) ja auch gut genug, um klar sehen zu können – wenn wir denn wollten. Die Union will nicht klar sehen, und die SPD darf nicht klar sehen, weil sie ja “Verantwortung übernehmen” muss.

Mein Wunsch für das kommende Jahr: Lasst euch Zeit mit der Regierungsbildung, viel, viel Zeit. Gönnt der Welt eine Verschnaufpause, einige Monate ohne den Führungsanspruch Deutschlands, ohne das deutsche Mitredenwollen. Begraben wir ein für allemal das “Deuschland, Deutschland über alles”. Begraben wir es so tief, dass kein Politiker es wieder ausgraben kann, mag er auch noch so sehr nach Ansehen und Macht gieren.

Eine deutsche Wortfamilie

führen (Verb, transitiv oder intransitiv)

…. Führung (durchs Museum oder als Schulnote)

…….. Führerschaft

………… Führungsqualität (jawoll)

……………. Führer

………………..  Führerin

…………………… Führungsrolle

………………………. …