Gespielte Empörung

Nun haben die Amerkaner ein gutes Dutzend Russen angeklagt, weil sie über digitale Kanäle den US-Wahlkampf zugunsten von Trump beeinflusst haben. Klar, dass Trump dementiert. Klar auch, dass die Russen, allen voran ihr Außenminister, dementieren. Solange es keine stichhaltigen Beweise gebe …

Naturlich haben die Russen eingegriffen und über die Netzwerke unzählige Posts abgesetzt und damit die Diskussion beeinflusst. Und natürlich wissen die Russen auch, dass die Amis das wissen. Und natürlich würden die Amis es genau so handhaben, wenn es in Russland so etwas wie echte Demokratie gäbe. Alle Anschuldigungen und Dementis sind nicht mehr als pflichtschuldiges Theatergetöse. Und wenn man ehrlich ist, dann muss man zugeben, dass die Russen bescheuert Weiterlesen

Game over

Ich schaue Mark über die Schulter, als er mit einem Computerspiel beschäftigt ist. Äußerst geschickt lässt er eine Spielfigur (er nennt sie Character) mal rennen, sich rechtzeitig ducken, mit einem doppelten Salto über einen Abgrund springen, geschickt einem Felsbrocken ausweichen usw. Ich bin beeindruckt, mit welcher Sicherheit er die Figur durch die phantastische Landschaft bewegt.

Mark überlässt mir den Stuhl vor dem Computer: “Probier du doch auch mal.” Er startet neu, natürlich mit dem leichtesten Level, und erklärt mir ein wenig die Bedienung. Was soll ich sagen – nach nicht einmal zehn Sekunden fällt ein schwerer Stein auf mein Männeken. Platsch, platt wie ‘ne Briefmarke. Mark grinst, ich glaube, er hat dieses Weiterlesen

Netzwelt – verstörende Zukunft

Schon seit langem lese ich keine Theater- oder Literaturkritiken mehr. Mich stört die Sprache der Kritiker. Ihre Diktion ist oft so, dass vor allem ihre eigene intellektuelle Potenz transparent wird. Scheiße, ich sag’s anders: die Kritiker schreiben deshalb so gestelzt, weil sie als schlau gelten wollen. Klar, Unverständlichkeit ist ein probates Mittel zum Anheben des geistigen Niveaus. Kennen wir.

Egal, in der Wochendbeilage unserer Tageszeitung stieß ich auf eine Theaterkritik, die angenehm klar verfasst war. Es ging um die Aufführung des bekannten Sückes “Die Netzwelt” von Jennifer Haley. Ich werde wohl keine Gelegenheit haben, mir das Stück anzuschauen, doch da mich die Thematik interessiert, habe ich mich etwas mit dem Weiterlesen

Algorithmen und Entscheidungen

In einem Zeitungsartikel versuchte ein Autor, den älteren Lesern (ich gehöre ja auch dazu) zu erklären, was Algorithmen sind und welche Rolle in der modernen Algorithmik die sogenannte “künstliche Intelligenz” spielt. Unwillkürlich wurde ich an ein Programm erinnert, das ich vor anderhalb Jahrzehnten mal geschrieben hatte. Es diente dazu, eine größere Gruppe von Studienabgängern bzw. Berufsanfängern auf die zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze zu verteilen, und das möglichst gerecht. Es gab eine Reihe bevorzugter Orte und Ausbildungsplätze im Regierungsbezirk, aber auch weniger erstrebenswerte bzw. beliebte Stellen. Natürlich wurden bei solchen Aktionen die Aspiranten nach ihren Wünschen und Lebensumständen befragt.

Kurz: Das Programm konnte insgesamt als Erfolg gewertet werden. Die Zuteilungsprozedur dauerte keine 4 Wochen mehr, sondern konnte – mit den Weiterlesen