Warum die plötzliche Aufregung?

Warum regt ihr euch plötzlich so auf, liebe Zeitgenossen? Da hat Cambridge Analytica die Werbetrommel für Trump gerührt und dabei mal hier und mal da geflunkert, über diesen und jenen mal etwas Böses erzählt – na und? Da hat Facebook mal den Raum zu rund 50 Millionen Datensätzen geöffnet und dafür wahrscheinlich etwas Geld kassiert, vielleicht einige zig Millionen Dollars – na und? Gelogen wurde schon immer in der Werbung, nur dass das Lügen, Schmeicheln, Verteufeln, Umgarnen usw. in den letzten Jahren exlosionsartig angestiegen ist, dank der Digitalisierung.

Noch einmal die Frage: Warum regt ihr euch auf? Was da mit Facebook und Cambridge Analytica abgelaufen ist, das ist Big Data, das ist Digitalisierung. Das ist schlicht und ergreifend das stinknormale Digitalgeschäft. So und nicht anders geht Digitalisierung, Leute. Aber bitte fangt nicht an, die armen Bürger zu verarschen, indem ihr ihnen vormacht, es könnte so etwas wie Sicherheit geben, wenn sie nur ihre Passwörter usw. (bekannt). Facebook hat doch gezeigt, dass man keine Passwörter braucht, um Personen entsprechend dem gewünschtem Menschenbild und der gezahlten Summe formen und einreihen zu können.

Seid doch einfach aufgeschlossen und findet euch damit ab. Wir wollen doch alle digital werden, oder?

 

Blinde Zeitgenossen

Die Euphorie angesichts der bevorstehenden totaldigitalisierten Zukunft bekommt offenbar Risse. Gleich zwei Ereignisse schrecken die Leute auf (warum erst jetzt, verdammt noch mal?): Ein autonom fahrendes Uber-Auto hat eine Radfahrerin auf den Kühler genommen und getötet, und Cambridge Analytica, in Zusammenarbeit mit Facebook, wird entlarvt. Ich könnte mich nun entspannt zurücklehnen und – nicht ohne Schadenfreude – sagen: Sehr ihr, genau das ist es, wovor ich u.a. schon seit einigen Jahren warne. Aber in dem derzeitigen Digitalisierungswahn scheint ihr alle blind zu sein. Hauptsache digital, Hauptsache smart, und da ihr meint, nichts zu verbergen zu haben …

Wie gesagt, etwas Neues kann ich in diesem Kommentar nicht mehr bringen, es ist so gut wie alles gesagt. Aber die zaghaft aufkeimende Kritik an vermeintlichen Schwachstellen der Digitalisierung kommt so überraschend, dass ich dazu einfach Weiterlesen

Frohe Ostern

Keine Frage, die Digitalisierung ist immer für Überraschungen gut. Nun hat es die Landwirtschaftsministerin von NRW, Frau Schulze-Föcking, erwischt. Hacker haben sich, vermutlich über das WLAN, in ihr Heimnetzwerk gemogelt, von ihrem smarten TV Besitz ergriffen und mal schnell die eingestellte Sendung durch ein eigenes Video ersetzt. Darin wird ihr noch einmal die angeblich tierquälerische Schweinehaltung vorgeworfen. Ok, eine hinreichend bekannte Story.

Und nun ist die Empörung groß, vor allem seitens der Politik. Von Psychoterror ist die Rede, von einem Einbruch in die Privatsphäre der Ministerin. Für letzteres kann man sogar mit mehreren Jahren Gefängnis bestraft werden, erfuhr ich bei dieser Weiterlesen

Liebe Alexa

Wieder ein Zeitungsartikel, der mein Interesse erregte. Titel: “Alexa, spielen wir Schnick-Schnack-Schnuck?” Nun, Alexa ist keine Geringere als die KI-Dame in den Servern von Amazon, deren Gehör und Stimme in den Echo-Lautsprechern steckt.

Nun, was ich von diesen Dingern halte, habe ich wiederholt deutlich geäußert. Eigentlich wollte ich den Artikel gar nicht erst lesen, weil mir das alles zu blöd ist. Aber dann versprachen die Bilder eine Antwort auf die Frage, die inzwischen für mich zentral ist: Wie kann es sein, dass sich Menschen auf so etwas einlassen und sich ein Abhörgerät (richtig, eine Wanze) ins Wohnzimmer stellen? Was erwarten die Menschen Weiterlesen

Aufgehender Stern am Digitalhimmel

Da hat die CSU doch noch eine weibliche Politikerpersönlichkeit aus dem Hut gezaubert: Dorothee Bär, irgendeine Spezialsorte von Ministerin, speziell für digitale Angelegenheiten. Böse Zungen behaupten, sie sei eine Quotenfrau, aber das stimmt nicht. Wer diese putzmuntere, junge Dame einmal reden gehört hat, der spürt, dass in der Politik eine ganz andere Tonart angestimmt wird.

In der Tat, die Dorothee hat Haare auf den Zähnen. Das Heute-Interview mit Marietta Slomka war für mich ein Erlebnis. Üblicherweise treibt Slomka die “Zugeschalteten” schon bei der zweiten oder dritten Frage in die Enge, und wenn die Opfer sich wehren, dann wird es schnell auch mal verbissen, was man an Slomkas Gesichtsausdruck deutlich erkennen kann. Doch diesmal war es anders. Diese fesche Dorothee ging Weiterlesen

Liberale Feuerwehr

Nach dem jüngsten, noch gar nicht mal aufgearbeiteten Hackerangriff auf die politischen Kerninstitutionen wurde ein Vertreter der FDP [1] interviewt und zu dem Vorfall befragt. Dieser Vertreter des Neoliberalismus und – damit verbunden – einer grenzenlosen Digitalisierung kritisierte leidenschaftlich das zu geringe Engagement in Sachen Digitalisierung. Irgendetwas in der Art von Hausaufgaben und nicht gemacht.

Also noch mehr Digitalisierung, um die Auswüchse der Digitalisierung zu bekämpfen? Geht es noch naiver? Alle, restlos alle gravierenden Sicherheitslücken sind darauf zurückzuführen, dass Betriebssysteme, Kommunikationsprotokolle, Algorithmenverbunde dermaßen komplex geworden sind, dass man sie nicht mehr überschauen kann. Infolgedessen entziehen sie sich der Kontrolle und Absicherung. In einem modernen Betriebssystem vermutet man zu recht zigtausende von noch nicht entdeckten Sicherheitslücken.

Jede aufgesetzte Sicherheitsmaßnahme trägt zur Unüberschaubarkeit und somit zur Unsicherheit bei. Was der gute FDP-Eiferer erreichen will, ist bemerkenswert: Stellt einen Eimer mit Benzin bereit, für den Fall, dass ihr mal einen Brand löschen müsst.

[1] Name ist mir entfallen, ist auch wohl nicht so wichtig, der Typ

Es schreitet voran …

Ja, es geht weiter. Damit meine ich die Hackerangriffe, die an Effektivität und Gefährlichkeit zunehmen. Nun also das Netzwerk, das verschiedene Instutionen des Bundestages und der Ministerien miteinander verbindet. Wie lange die Wühler schon aktiv sind, ist noch gar nicht mal bekannt, ebensowenig wie das Ausmaß der Hackeraktivitäten. Man vermutet professionelle Geheimdienste dahinter – und ist sauer. Ich bin nicht sauer, ich gebe offen zu, dass ich vor Schadenfreude aufblühe.

Es werden nun seitens der Staatsanwaltschaft großartige Untersuchungen gestartet. Die Übeltäter müssen doch zur Rechenschaft gezogen werden. Klar, aber will man ausländische Geheimdienste ins Kittchen werfen? Ist doch Quatsch; außerdem tun diese Organe nur ihre geheimdienstliche Pflicht. Dabei sind die wirklichen Übeltäter schnell zu schnappen. Es sind nämlich die Idioten, die meinen, man müsste den geheimen und wichtigen Datenverkehr in aller Öffentlichkeit, nämlich übers Internet abwickeln. In einem Netz, in dem es zur Absicherung nur Tarnung und so etwas wie eine Geheimschrift gibt. Ein Netz, in dem jeder, der über das nötige Know-how verfügt, sich alles schnappen kann was er nur will.

Glückwunsch.

“Künstliche Intelligenz ist die Zukunft”

… So die Überschrift eines dpa-Artikels über den Mobile World Congres in Barcelona. Wie das gemeint ist, machte der Branchenanalyst Francisco Jeronimo vom IDC [1] deutlich, indem er die angestrebten Fähigkeiten zukünftiger Smartphone-Generationen beschrieb. Als Beispielszenario skizzierte er die Vorgänge, wenn man das Smartphone auf ein Filmplakat richtet.

  • Das Smartphone schätzt ein, ob man den Film mögen könnte.
  • Falls ja, wird gefragt, ob man ihn sehen will.
  • Falls ja, errechnet das Smartphone einen Termin durch Abgleich der Kino-Spielzeiten mit dem eigenen Terminkalender sowie den Terminkalendern der Familienmitglieder.
  • Daraufhin wird das Ticket gebucht und automatisch bezahlt.
  • Auf Wunsch reserviert das Smartphone einen Tisch in einem benachbarten Restaurant für den Abschluss des Abends.

Cher Wang, Verwaltungsratschefin des Smartphone-Anbieters HTC [2], meint, dass die Software einen Menschen am Ende besser kennen werde als er sich selbst. Weiterlesen