F – wie Freunde und Familie

“Das f in Facebook steht für Freunde und Familie”.

So steht es in der letzten ganzseitigen Anzeige, die Facebook in mehreren Zeitungen und Zeitschriften geschaltet hat.

Mein Gott, wie erbärmlich und verlogen. Aber die Leute fallen drauf rein, denn sie durchschauen nicht die Tricks und Methoden der Macher in der Medien- und Werbebranche. In diesem Fall ein sehr verbreiteter “Headline-Trick”, der – wie gesagt – vor allem in Überschriften vorkommt, aber auch, wie man sieht, in Anzeigen. Es wird schlagwortartig etwas Zutreffendes dahingeworfen, und die Menschen übertragen ihren Eindruck von Wahrheit und Aufrichtigkeit auf den Artikel, bei dem es oft um etwas anderes geht und den sie zu etwa 30% lesen, oder wie in diesem Fall auf einen Werbeinhalt.

Richtig ist, dass Facebook auch eine Plattform für Freunde und Familien sein kann. Richtig ist sogar, dass Freunde und Familien einen Gewinn daraus ziehen können, wenn auch einen sehr kleinen. Gleichzeitig wird sofort das Gegenteil, nämlich der Missbrauch durch Fakenews (ebenfalls f)  mit assoziiert, aber so, dass die Leser ihn unbewusst ausschalten.

Diese wenigen Wörter sind das Werk von Spitzenkräften der Werbebranche und kosten, abgesehen von der ganzseitigen Aufmachung, ein Vermögen. Aber Facebook hat es ja.

Wenn man sich aber nicht einlullen lässt und genau hinschaut, dann merkt man die Hinterhältigkeit, die hinter dieser Werbung steckt. Nur mit Freunden (ich meine wirkliche, echte Freunde und persönliche Bekannte) oder Familienangehörige könnte Facebook nicht mal ein Hunderstel dessen verdienen, was zur Zeit in der Bilanz auftaucht. Wahrscheinlich nicht mal ein Tausendstel. Es geht Facebook definitiv nicht um Freunde und Famlien, die gehen in der Masse der Benutzer unter. Und wenn Facebook wirklich willens wäre, sich stärker auf Freunde und Familien zu konzentrieren, dann müsste auf der Stelle der unselige Like-Button verschwinden, der Gruppen mit engeren Bindungen immer wieder aufreißt. Von Facebook und Zuckerberg gewollt.

Nichts zu verbergen?

“Ich habe doch nichts zu verbergen!” So hört man immer wieder, wenn jemand in einem sozialen Netzwerk herumhampelt, die Sprachfunktionen seines Smarphones aktiviert, seine privaten Bilder in die Cloud pustet oder seine Wünsche einem Echo-Lautsprecher zuflüstert. Ja ja, man sieht ja ein, dass man bei alldem pausenlos abgehört wird, aber letzten Endes … ist ja alles so schön komfortabel und bequem, und überdies gehört man ja zu den Gerechten, die nichts zu verbergen haben. Vor allem aber gehört man zu den Modernen, den Aufgeschlossenen, den Gesunden, die nicht unter Digtalphobie leiden.

Abgesehen davon, das jeder (jeder!) aus gutem Grunde eine Menge zu verbergen hat [1], ist die Haltung fatal, denn sie fördert nur die weltweit grassierende Überwachung der Menschen. Aber man merkt es nicht, und das ist das eigentlich Fatale an der Weiterlesen

Freunde und beste Freunde

Die Meldung las ich irgendwo, im Online-Portal irgendeiner Zeitung. Ich weiß nicht mehr, wo genau, denn zuerst hab ich den Kurzartikel nicht so ganz ernst genommen. Und wie das so ist mit den vor Übersichtlichkeit nur so strotzenden Web-Präsentationen: Man liest etwas, blättert weiter (oder tippt versehentlich auf die falsche Stelle) und findet natürlich den ursprünglichen Gegenstand des Interesses nicht wieder. Internet – Streaming – Vorbeirauschen. So auch die Meldung, zu der ich nach einigem Nachdenken Stellung beziehen möchte – nein, muss.

Worum ging es? Eigentlich nur eine Randnotiz. Eine amerikanische Pädagogin will erreichen, dass die Schüler in einer Klasse keine “besten Freundinnen” oder “besten Freunde” mehr haben. Alle Schüler der Klasse sollen zum Freundeskreis gehören, und wenn zum Beispiel jemand Geburtstag hat, dann sollen auch alle eingeladen werden. Weiterlesen

Erbärmlich

Ich sitze am Frühstückstisch und blättere in der Tageszeitung. Viel Lesenswertes steht heute nicht drin. Klar, Sommerloch. Dann eine erneute ganzseitige Anzeige von Facebook:

festlegen, was andere sehen
Für uns steht das F für ein Facebook, in dem du mehr Kontrolle über deine Privatsphäre hast. Dafür bieten wir jetzt übersichtlichere Funktionen, an einem Platz.

facebook
facebook.com/einbesseresFacebook

Um einen solchen Unsinn zu verbreiten, belegt Facebook eine komplette Zeitungsseite. Aber der Verein mit seinen Milliardengewinnen kann es sich ja leisten. Und was bedeutet das Statement? Nichts Neues, es gab schon bisher die Möglichkeit, Beiträge als öffentlich oder privat zu markieren. Alles nun ein bisschen übersichtlicher – das war’s dann.

Die entscheidende Frage wird – wieder einmal – gekonnt überspielt: Wer schützt meine Privatsphäre vor Facebook? Mein Gott, wie erbärmlich kommt dieser Verein doch daher. Und die Leute fallen drauf rein, nach dieser Anzeige noch etwas mehr. Facebook hat nun mal das Geld, um potentielle und etablierte Kunden mit werbetechnischen Tricks zu manipulieren.

 

Digitalisierung – was denn nun?

Digitalisierung in aller Munde. Keine politische Partei, auf deren Agenda die Digitalisierung fehlt. Kein zukunftsorientierter Betrieb, für den die Digitalisierung nicht höchste Priorität hat. Keine Pessimist, der seine trüben Gedanken nicht an zu schleppender Digitalisierung festmacht. Kein Optimist, der nicht an die anbrechenden goldenen Zeiten dank Digitalisierung glaubt.

Alles dreht sich um Digitalisierung. Eigentlich sogar das, was es noch gar nicht gibt. Freudige Vorahnungen erfüllen die Menschheit, denn wir sind sicher, dass Dinge möglich werden, von der wir zur Zeit noch keine konkrete Vorstellung haben. Alles möglich? Nein, mehr als alles. In der Tat, die Digitalisierung hat das Zeug, sogar Weiterlesen