Über diesen Blog

Mancher mag über diesen Blog den Kopf geschüttelt habe. Ich meine damit nicht die Kritik an den Inhalten, die ist bei der Thematik unausweichlich, eigentlich sogar naheliegend oder notwendig. Nein, ich meine die Form: lange Textbeiträge ohne Bilder, dazu keine Kommentarspalte. Das widerspricht allem, was heute im journalistischen Bereich als erfolgreicher Stil gilt. (Womit ich nicht den Anspruch erheben will, journalistisch wirken zu können.)

Warum also keine Bilder? Ganz einfach, ich habe keine Lust, den allgemeinen Trend zu optisch-akustischen Anreizen mitzumachen. Nach wie vor geht nichts über sorgfältig formulierten Text, auch wenn immer weniger Zeitgenossen bereit sind, Texte in Ruhe zu lesen. Mir ist durchaus bewusst, dass nur sehr, sehr wenige Menschen meine Beiträge lesen, vielleicht ein Dutzend, wenn es hoch kommt. Genau weiß ich es nicht, denn ich habe keinen Zugriffszähler, weil es mir nicht auf Bekanntheit ankommt. Ich möchte meine Meinung sagen und fühle mich gut dabei. Niemand kann mir vorwerfen, ich hätte meinen Mund nicht aufgetan. Außerdem sorgt das Schreiben, mit dem ich mir sehr viel Mühe gebe, für klarere Gedanken. Es hat manchen Beitrag gegeben, den ich angefangen und bald wieder verworfen habe, weil mir beim Schreiben klar geworden ist, dass ich manches nicht richtig gesehen habe.

Mit dem Fehlen der Kommentarspalte hat es eine besondere Bewandtnis. Am Anfang gab es eine solche, doch schon einige Wochen nach den ersten Beiträgen wurde die Kommentarspalte regelrecht zugemüllt. Kommentare ohne wirklichen Bezug zur Thematik, oft von asiatischen Absendern. An einigen Tagen waren es mehr als 500. Heute, nachdem ich ein wenig hinter die Kulissen des Internetbetriebs schauen konnte, gehe ich davon aus, dass die Absender der Müllkommentare gekauft wurden, vermutlich von Leuten, denen der Inhalt meines Blogs nicht passte. Gerade in Asien (Bangladesh zum Beispiel, oder Pakistan) gibt es viele “Start-upper”, die für relativ geringe Bezahlung eine große Anzahl von gezielten Kommentaren oder Nachrichten generieren, meistens über sogenannte “Netzfarmen”. Nachweisen lässt sich so etwas nicht, aber die Verdachtsmomente sind deutlich.

Inzwischen bin ich zu der Auffassung gelangt, dass Kommentare grundsätzlich deaktiviert werden sollten. Kaum eine Online-Zeitung, kaum ein Blog, kaum eine Medienplattform ohne diese Kommentare, die von überzeugten Digitalisierern als das “Salz in der Digitalsuppe” gepriesen werden. Doch wenn man mal so einige Kommentarreihen verfolgt (nicht nur die ersten Beiträge), dann stellt man fest, dass die meisten Meinungsäußerungen nichts anderes als oberflächlich dahingeworfene Bemerkungen sind, die im Grunde nichts zur Sache beitragen, sondern die – im Gegenteil – das Anliegen sehr häufig banalisieren.

Es kommt noch etwas hinzu: Nicht selten reicht ein einziger Kommentarbeitrag, die gesamte Kommentarkette von der Schiene abzubringen. Es kommt zu Reaktionsketten, die mit dem ursprünglichen Inhalt immer weniger zu tun haben, und sehr schnell in eine Folge von beleidigenden oder hasserfüllten Beiträgen endet. Gerade die oft gelobte Kürze, die zu unbegründeten Meinungsäußerungen verführt, hat zerstörerische Auswirkungen. Nicht nur in Kommentarspalten, sondern auch in den sozialen Netzwerken.

Deshalb verzichte ich auf Kommentare; deshalb sind meine Beiträge meistens lang und anstrengend für den Leser; deshalb will ich keine unterhaltsame Multimedia-Show in meinem Blog. Wer sich nicht die Mühe machen will zu lesen, soll einfach wegbleiben. Und wer meint, etwas zu meinen Beiträgen sagen zu müssen, kann mich über meine EMail-Adresse erreichen.