Werbung – oder was?

In einer marktorientierten Gesellschaft muss Werbung wohl sein. Das heißt aber nicht, dass Werbung etwas Gutes ist; Werbung ist ein notwendiges Übel, nicht mehr. In der Werbung wird vorgetäuscht, gelogen, verschwiegen, dass der Werbeträger quietscht. Werbung ist laut, einhämmernd, meist desinformativ. Mit sachlicher Information hat Werbung nicht viel zu tun, sondern eher etwas mit Emotionen, mit unterschwelligen Befindlichkeiten. Manchmal ist Werbung auch einfach nur peinlich, z.B. wenn in TV-Spots ein englischer, nichtssagender Slogan nachgeschoben wird.

Schon seit langem tu ich mir keine Werbung mehr an. Werbeprospekte, die der Zeitung beiliegen, wandern ungelesen in die Papiertonne, und die werbebasierten Privatsender sind schon lange tabu. Muss man sie sich nicht reinziehen. Wenn ich etwas kaufen will, informiere ich mich selber, und das möglichst vielseitig.

Seitdem die Welt in einer Datenorgie ertrinkt, ist die Werbebranche in eine neue Dimension vorgestoßen: personalisierte Werbung. Menschen werden abgehört und analysiert, und man setzt ihnen solche Werbeangebote vor, die sie persönlich mögen oder wahrscheinlich bevorzugen. Eine besonders wirksame Form der Werbung. Dass man die Bandbreite der Angebote einschränkt, dass man die potentiellen Kunden auf bestimmte Produkte festnagelt, ist erwünscht.

Nur: Ist das überhaupt Werbung? Werbung geht vom Produkt aus und wendet sich an die Allgemeinheit. Personalisierte “Werbung” geht von individuellen Personen aus, denen man ein “passendes” Produkt aufdrängt. Ein enormer Unterschied. Warum bezeichnet man personalisierte Werbung nicht als das, was sie ist: Manipulation?