Mit Volldampf in die Schule

Großer Aufbruch in eine bessere Zeit: Der Digitalpakt soll’s ermöglichen. Mit Milliarden will der Bund den Ländern unter die Arme greifen, damit diese endlich, endlich, endlich ihre Schulen zu Orten des Lernens machen können. Und natürlich braucht man dazu Tablets, Smartphones, W-LAN – kurz, alles was so im digitalen Zeitalter das tägliche Leben ausmacht. Dumm nur, dass einige Länder auf ihre förderalen Rechte pochen und selbst die Schullandschaft gestalten wollen. Dafür verzichten sie gerne (erst mal) auf das Geld, denn das Grundgesetz modelt man nicht einfach so um. Überhaupt gibt’s ja noch andere Wege, als über eine Grundgesetzänderung den Ländern was Gutes zu tun. Nicht wahr?

Nur in der Hauptsache stimmen sämtliche Länder mit dem Bund, ja mit allen Bürgern überein: Die Digitalisierung der Schulen muss kommen, und zwar umgehend und umfassend. Keine Kompromisse mehr, denn schließlich wird es allerhöchste Zeit, dass die Kinder und Jugendlichen etwas lernen. Smartboards, Smartphones, smarte Tablets, smarte Differenzierung und smarte Leistungsmessung sind die adäquaten Werkzeuge einer leistungsfähigen Schule, nix mehr mit Wandtafel und Kreide, Füller und Heft. Endgültiges Ende der Kreidezeit. Meine Güte, die Kreidezeit, das war ja so etwas wie die Steinzeit, bestenfalls Bronzezeit in der Bildungslandschaft.

Dass man den Schülern ohne die smarten Selbstverständlichkeiten nichts beibringen konnte, merkt man nun überdeutlich. Die Leute, die nun das digitale Monster in die Schulen schleusen wollen, sind ja noch in der Kreidezeit gebildet worden (bzw. da man hat es mit unzulänglichen Mitteln versucht). Da kann es nicht verwundern, wenn sie nun wie Hornochsen gegen die Wände anstürmen, die uns (noch) ein wenig vor überzogener Digitalisierung schützen.

Nun mal Ironie beiseite: Welch eine eigenartige Vorstellung von den Aufgaben einer Schule hat die allgmeine Digitalisierungssucht hervorgebracht. In der Schule sollen die Kinder gebildet werden, und dazu müssen vor allem die personalen Bezüge stimmen, also die Klassen- und Gruppengemeinschaften sowie dieVerhältnisse der Lehrer zu den Schülern und deren Eltern. Dass man um die smarte, neue Welt keinen Bogen machen kann, ist natürlich klar, aber das ist nur eine kleine Teilaufgabe der Bildungsarbeit. Ob letzten Endes eine Schultafel oder ein Smartboard an der Wand hängt, ist sowas von unerheblich. Sicher, eine Smartboard mag ein wenig mehr Komfort bieten, der aber in Anbetracht der Aufgaben der Schule praktisch nicht ins Gewicht fällt. Man muss schon Laie sein (oder durchdigitalisierter Lehrer), um solche Wertverschiebungen anzustreben.

Viele Schüler sind natürlich vom Neuen phasziniert und entsprechend motiviert. Aber das legt sich schnell, wenn Tablets und Laptops nicht zum Spielen und wilden Herumsurfen, sondern nur als Lernhilfe mit begrenzten Funktionen benutzt werden.

Was allerdings extrem wichtig ist, das ist die Aufklärung darüber, welche schädlichen, ja geradezu zerstörerischen Mechanismen in den digitalen Netzwerken vorherrschen. Das können die Schüler nicht auf der Straße lernen, und dazu leisten die Tablets im Klassenraum zwar einen Beitrag, aber nur einen nebensächlichen.