Engagement

Immer mehr Politiker, insbesondere auch Medienvertreter, fordern ein stärkeres europäisches Engagement in der Welt. Vor allem das wiedererstarkte Deutschland müsse sich stärker einbringen, könne nicht dauernd am Spielfeldrand stehen und zuschauen. Für das geforderte Engagement, das vor allem ein Ausdruck von nationaler oder europäischer Macht und Stärke ist, gibt es tolle Umschreibungen. Man solle “Verantwortung übernehmen” oder “positive Einflüsse geltend machen”.

Jawoll !

Und das tut Deutschland zum Beispiel im Irak. Nein, nicht direkt mit Schießgewehren, obwohl dieselben eine gewisse Rolle spielen. Man bildet nämlich irakische Soldaten aus. Hu, da kann der reichlich vorhandene Erfahrungsschatz der Bundeswehr so richtig nutzbringend angewandt werden. Sofern natürlich die deutschen Schießgewehre mitmachen und keine Ladehemmungen zeigen. Oder sofern die deutschen Panzer sich bewegen lassen. Vielleicht liegt genau hier die Raffinesse: Die deutschen Soldaten lassen sich von den Irakern unter Verwendung irakischen Materials ausbilden.

Gewusst wie !

Aber dann gibt es noch ein Problem. Im Irak wird schon mal ernsthaft geballert, und die herumfliegenden Munitions- und Trümmerteile bringen unsere Leute in Gefahr. Man überlegt, ob man sie nicht aus Schutzgründen in die Heimat zurückrufen sollte. Aber nicht doch! Es gibt noch eine andere Lösung. Wie wär’s, wenn man zum Schutz der deutschen Ausbilder Soldaten ins Krisengebiet schicken würde? Die sind nämlich für solche gefährlichen Sachen ausgebildet.

Oder ?

Fazit (ohne Ironie): Peinlich und lächerlich ist nicht nur die Ausbildungsaktion, sondern vor allem die Ernsthaftigkeit, mit der Politiker das Theater als hilfreich anpreisen. So, als könnten 120 deutsche schutzbedürftige Alibi-Soldaten das Weltgeschehen auch nur um Millimeter zurechtrücken. Womit ich nicht sagen möchte, dass deutsches Militär mit Waffen eingreifen soll, um Himmels Willen, nein. Es gibt schon genug waffenschwingende Fremdlinge in der Region. Vielleicht ist die Zuschauerrolle gar nicht so schlecht. Besser jedenfalls als einer Führerrolle (pardon: Führungssrolle) in Krisengebieten.