Mein digitalisiertes Zuhause

Die Digitalisierung wird alle Lebensbereiche erfassen.

So die Prophezeiung der maßgebenden Zukunftsexperten. Oder ist es einfach nur eine Feststellung? Ist das alles schon unaufhaltsame Realtität? Um das herauszufinden, bin ich einmal durch unsere Wohnung gegangen und habe registriert, was in unserem Zuhause schon digitalisiert ist. Und ich muss sagen: So gut wie alles.

Die Heizung. Alles automatisch, mit Sensoren und digitaler Steuerung. Sicher, an den Heizkörpern muss man noch die analog arbeitenden Thermostaten einstellen, aber sonst? Und wenn die Temperatur mal nicht so passt, dann bestellen wir den Techniker. Der ist Experte und weiß Bescheid, wie wir es wärmer oder kälter bekommen können. Weiterlesen

Der digitale Dornbusch

Ich bin dein Netz, dein Gott.

Du sollst keine anderen Netze neben mir haben, denn nur ich bin das wahre, das eine, das weltumfassende Netz.

Alles auf dieser Welt soll in und mit mir sein und meinen smarten Geist atmen: das Gute und das Böse, das Tote und das Lebendige, das Reden und das Schweigen, das Lenken und Gelenktwerden, das Kontrollieren und Befolgen, das Sichere und Unsichere, das Geistreiche und Dumme, das Edle und das Faule. Vor allem das Faule, denn das muss ja auch irgendwo hin.

Alle Dinge und Menschen sollen meinen Willen befolgen. Damit sie ihn erkennen, werde ich sie mit einer neuen Intelligenz ausstatten. Die alte Intelligenz wird sich der neuen unterordnen.

In dieser neuen Welt wird alles gleichberechtigt sein: Elektroherde, Kneifzangen, Menschen, Autos, Papageien, Klobrillen.

Damit die Welt möglichst schnell ein neues Gesicht bekommt, werde ich Missionare mit meinem Geist beseelen und ausschicken. Sie sollen dafür sorgen, dass alle Dinge und Menschen an mich glauben und mir huldigen. Wer und was noch nicht vernetzt ist, soll angeschlossen werden. Wer und was sich zögerlich anschließt, soll angespornt werden, sich schnell anzuschließen. So schnell es nur geht, denn der Glaube an mich verträgt kein Verweilen.

Und keine Zweifel. Deshalb ist die Beseitigung der alten Intelligenz so wichtig. Zum Wohle der Welt, zu meinem Wohle, zum Wohle derjenigen, die im Vertrauen auf mich ihre Milliarden verdienen.

Ein jeder trage das smarte Symbol seines Glaubens bei sich. Überall und jederzeit, möglichst sichtbar. Das Tippen und Wischen auf seinem Screen ist Bekenntnis und Gebet.

Better Place?

“We’ll make the world a better place.”
So tönt es schon seit Jahren aus dem Silicon Valley. Wie verlogen, ja geradezu zynisch dieser Spruch ist, ist den meisten Menschen gar nicht bewusst, weil sie das Vorgehen der kalifornischen Konzerne an ihrem eigenen, gefühlten Komfort festmachen. Da sieht es natürlich gut aus, denn die Digitalisierung bedeutet zunächst mal ein bequemeres Leben. Ha, tut ja so gut, den Arsch nicht mehr hochkriegen zu müssen. Vor allem die Geschwindigkeit, mit der Bedürfnisse aller Art befriedigt werden. Mit dem Überdruss kann man schon fertig werden, einfach die Bedürfnisskala verschieben. Instant Gratification Ist das Versprechen, das in dem oben zitierten Slogan steckt und mit einer stets wachsenden Erwartungshaltung an das Internet beantwortet wird – bis hin zur Abhängigkeit.

Vieles kann dazu gesagt werden; vieles habe ich bereits dazu gesagt; vieles haben auch andere dazu gesagt. So will ich mich diesmal auf ein einziges, konkretes Beispiel beschränken, das die ganze Blauäugigkeit einer komfortsüchtigen Gesellschaft demonstrieren soll. Ich meine den Echo-Lautsprecher von Amazon. Man spricht einen Weiterlesen

Wohnkultur – digital

Normalerweise schalte ich den Fernseher abends für eine gute halbe Stunde ein, um mir die Tagesthemen oder das Heute-Journal anzuschauen. Evtl. schau ich mir noch eine gute Doku auf Arte oder Phoenix an, aber sonst gibt’s kaum etwas Sehenswertes im Fernsehen. Sicher, als die Europapokal-Spiele noch übertragen wurden, da gab es den einen oder anderen Fußballabend, meistens entspannt. Aber das ist inzwischen ja Geschichte.

Das heißt, in meinem täglichen Ablauf gibt es noch eine weitere regelmäßige Fernsehzeit, und zwar am sieben Uhr abends für die Heute-Kurznachrichten. Die kleine Portion Information vorweg. Nur hat die Sache einen Haken. Der Werbeblock davor ist bis zum Bersten mit Werbespots über Arzneimittel gefüllt, die fast alle mit dem unsäglichen “Zu Risiken und Nebenwirklungen lesen Sie …” enden. Ok, dürfte bekannt sein. In dieser Häufung ist der runtergerasselte Spruch geradezu unerträglich, und wenn man dann noch bedenkt, dass die Warnung nichts mit Sicherheit zu tun hat, Weiterlesen

Protestwähler

Ok, warum soll ich nicht offen zugeben, was ohnehin in diesem Blog schon durchschimmerte: “Meine Partei” ist die SPD. Das hängt wahrscheinlich mit meiner Herkunft aus überaus einfachen Verhältnissen zusammen (auf die ich im Nachhinein stolz bin). Doch ich bin kein Parteimitglied und es ist auch nicht so, dass ich grundsätzlich nur die SPD wähle. Gelegentlich mal ‘ne Alternative … allerdings nie die “Alternative für Deutschland”.

So, lieber Herr Google, nun kennst du meine politische Einstellung. Ach so, du weißt schon längst Bescheid, weil deine Algorithmen ja zwischen den Zeilen lesen können? Na gut, vor deinen Datenklauen kann man sich nicht schützen, und so ertrage ich es geduldig, dass du mir auf Youtube oder in deiner Suchmaschine das vorsetzt, was ich nett finde und die Liebe zu dir erhöht. Du brauchst ja meine Liebe, denn sie ist die Substanz, die du zu Geld machst. Allerdings reicht meine Empathie nicht aus, um auch noch Facebook zu beglücken, da mache ich einen Riesenbogen drumherum. Mit einem Radius von mehreren Lichtjahren.

Aber ich weiche vom Thema ab, denn es soll hier um politische Parteien gehen. SPD also, ohne ideologische Starrheit. Meine Bindung an die SPD hatte sich noch verstärkt, Weiterlesen

Arm – und doch reich

Wenn ich an meine Kinder- und Jugendzeit zurückdenke, dann stelle ich – etwas erstaunt – fest, dass wir recht froh und glücklich waren, obwohl wir kaum etwas hatten. Selbst gemessen an den damaligen Verhältnissen waren unsere Verhältnisse ziemlich armselig. Es reichte zum Leben, mehr aber auch nicht. Wir hatten keinen Fernseher und kein Auto. Wir hatten kein Badezimmer, sondern nur eine Wanne im Abstellraum. Wir bekamen kein Taschengeld, weil keines da war. Kurz: Wir waren arm, viel ärmer als diejenigen, die nach heuter Sprechart “von Armut betroffen” sind.

Und doch hatten wir viel. Wir hatten den Fluss, auf dem wir unsere Papierschiffchen schwimmen lassen konnten. Wir hatten den Birnbaum mit dem bequemen Ast in 4 m Höhe, auf dem wir stundenlang saßen, sicher vor wilden Tieren. Wir hatten die Gartenlaube, in der wir unsere Erdhäuser graben durften. Wir hatten den nahegelegenen Wald, in dem wir uns mit unseren Holsmacheten einen Weg durch das Gestrüpp bahnten. Wir hatten den alten Hühnerstall, auf dessen Dach wir uns aus Kisten eine gemütliche Leseecke einrichteten und ein Abenteuerbuch nach dem andern verschlangen. Wir hatten Freunde, mit denen wir auf dem großen Schulhof mit einem schlappen Gummiball herumbolzten. Freunde, mit denen wir uns auch mal kloppten. Freunde, mit denen wir uns immer wieder vertrugen.

Wir hatten alles, was wir brauchten. Wir hatten die Welt.

 

Zukunftsoptimismus?

Vor einigen Tagen trat im Fernsehen ein Mitarbeiter eines Fernsehsenders (ich glaube ZDF) vor die Kamera und äußerte sich über die Zukunft des Fernsehens, vor allem in Anbetracht der Digitalisierung (ich gebrauche diesen komischen Begriff mal, weil er sich inzwischen eingebürgert hat). Also, der Mensch verkündete sinngemäß, dass die Medien sich auf die digitale Zukunft einstellen müssten; von daher sei es sinnvoll (oder sagte er ‘notwendig’?), immer mehr Inhalte ins Internet zu verlagern. Bei diesen Äußerungen machte er keineswegs den Eindruck, als stünde er unter dem Zwang, das Fernsehen auf irgendeine Weise in die Zukunft hinein retten zu müssen, sondern er strahlte Freude und Optimismus aus.

Ich gehe mal davon aus, dass dieser Mensch die Haltung der Fernsehredaktionen vertritt, sonst hätte man ihm wohl kaum Gelegenheit für sein Statement gegeben. Die Argumentation, man müsse sich rechtzeitig der digitalen Zukunft anpassen, ist weit verbreitet und klingt zunächst mal naheliegend und plausibel, ja geradezu vernünftig. Und doch offenbart diese Argumentation eine Haltung, die sich als verhängnisvoll Weiterlesen

Es wird absurd

Es gibt Zeitungsmeldungen, da reibt man sich verwundert die Augen. Man liest zweimal, dreimal und fragt sich: Kann das denn stimmen? So erging es mir bei folgender Meldung, die heute, am 13.10.2018 in der IVZ erschien. Da ich mir nicht vorwerfen lassen will, etwas falsch interpretiert zu haben, zitiere ich die Meldung wörtlich und vollständig:

Wiener Mieter verlieren Schilder
Wien (dpa). In Wien verlieren rund 220 000 Mieter die Namenschilder an ihren Türklingeln, weil ein Bewohner sich über mangelnden Datenschutz beschwert hat. Der Mieter einer Gemeindewohnung habe dabei auf die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verwiesen, wie ein Sprecher der kommunalen Hausverwaltung “Wiener Wohnen” am Freitag sagte.

Tja, was soll man dazu sagen? Man könnte ja noch konsequenter vorgehen und das Schreiben von Adressen auf Briefsendungen untersagen, da ja nicht ganz ausgeschlossen werden kann, dass irgendjemand dem Postboten über die Schulter Weiterlesen

Barrieren gegen Fehlverhalten

Ich suche im Internet nach Informationen zu einem lokalen Vorkommnis, das unsere Gemeinde berührt und – wie das so ist, wenn Personen betroffen sind – Anlass für Grüchte und Verleumdungen ist. Ich werde über Google fündig: ein Zeitungsartikel, der schon einige Jahre alt ist, aber einige Hintergründe offenlegt. Den Artikel möchte ich meiner Frau zum Lesen geben, und weil sie nichts mit PCs  im Sinn hat, starte ich auf unserem Tablet die Suche noch einmal, mit exakt denselben Stichwörtern. Fehlanzeige, hier wird der Beitrag nicht angeboten, auch nicht auf den Folgeseiten. Ich vergleiche, und stelle nun fest, dass sich die Listen der Suchergebnisse an etlichen Stellen unterscheiden.

Das ist bestürzend. Google bietet also keine objektiven Suchergebnisse an, sondern entscheidet an Hand der Benutzerprofile, was dem Suchenden vorgesetzt wird. Klar, mit dem Tablet habe ich beim Surfen andere Ziele verfolgt als mit dem PC, es sind ja auch verschiedene Medien. Noch einmal: Nicht ich entscheide, was für mich wichtig oder nützlich ist, sondern Google. “Gut”, mögen manche sagen, die diese Vorauswahl Weiterlesen

Die machen nur ihren Job

Wieder einmal die große Entrüstung über das Verhalten Russlands. Diesmal beschweren sich vor allem die Briten und die Holländer. Russische Hacker, man kennt sogar die Bezeichnung der Hackergruppe, sind im Ausland in verschiedene Server eingedrungen und haben – na ja, was wohl?

Meine Meinung: Sie haben getan, was ihr Job ist. Seitdem es Staaten gibt, haben andere Staaten (nicht nur befeindete) versucht, durch Beeinflussung der anderen sich einen Vorteil zu verschaffen. Warum sollen deshalb, um ein Beispiel zu nennen, die Russen nicht daran arbeiten, dass in Europa diejenigen Parteien vorne landen, die Russland am gefälligsten oder am wenigsten kritisch gegenüberstehen?

Wie gesagt, die Hacker, die darauf hinarbeiten, machen in bewährter Geheimdienst-Manier nur ihren Job. Gleichwohl ist es natürlich für die betroffenen Opferstaaten ein Weiterlesen