Schöne neue Digitalwelt

Wenn jemand in der Überschrift eine Anspielung auf Huxleys Roman sieht – meinetwegen. Aber diese Anspielung ist eher ungewollt, und um ehrlich zu sein, ich weiß auch nur noch so ungefähr, worum es sich bei Huxley dreht. Es ist zu lange her, dass ich den Roman las, und erneut will ich mich nicht damit befassen, denn die aktuelle Realität entlarvt diese literarischen Schreckensszenarien als Phantasieprodukte eines Autors, der zwar die menschlichen Abgründe kannte, aber keine realistische Vorstellung von einer Welt haben konnte, in welcher diese Abgründe auf smarte Weise Wirklichkeit werden können.

Ich will an dieser Stelle auch nicht über die Gefahren des Internets sprechen, über die Unmöglichkeit, das Internet wirklich abzusichern – zumindest solange man alles über ein einziges Netz abwickelt. Vermutlich wird man in dieser Hinsicht zu einem annähernd praktikablen Gebrauch des Netzes (oder der Netze) gelangen. Und so will ich auch nicht auf das eingehen, was man bisher falsch gemacht hat und voraussichtlich in der Zukunft noch falsch machen wird. Hier soll es einzig und allein um die unabwendbaren Auswirkungen der Digitalisierung gehen, um das, was praktisch den Kern der Digitalisierung ausmacht.

Dass die Digitalisierung die Welt radikal verändern wird, wird wohl niemand ernsthaft bezweifeln. Was jedoch erst in Ansätzen bedacht wird, ist die Frage, in welcher Weise und in welchem Umfang sich die Digitalisierung auf die Gesellschaft auswirken wird. Es gibt Stimmen, die von der größten Umwälzung in der Menschheitsgeschichte sprechen. Als Beispiel, wie sehr eine technische Innvation das gesamte gesellschaftliche Leben einschließlich der damit verbundenden Wertvorstellungen beeinflussen kann, wird häufig der Buchdruck angeführt. Tatsächlich ging es dabei ja nicht nur um eine weitere technische Möglichkeit, Informationen zu verbreiten, sondern das gesamte Bildungssystem wurde auf den Kopf gestellt. Wenn vorher Bildung ein Privileg der gehobenen Gesellschaftsschichten war, so konnten im Laufe der nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte auch die weniger priviligierten Gesellschaftsschichten an der Bildung partizipieren. Was sich daraus ergeben hat, brauche ich wohl kaum aufzulisten.

Transparenz statt Privatsphäre

Wenn wir nun fragen, wie sich die Digitalisierung auswirken wird, müssen wir uns als erstes darüber im klaren sein, was Digitalisierung überhaupt ist – und zwar in dem Sinne, wie der Begriff heute verstanden wird. Dass es eine falsche Begrifflichkeit ist, habe ich des öfteren angemerkt, doch darum soll es hier nicht gehen. Man hat eine klare Vorstellung von dem, was sich rund ums Internet tut, und man nennt es allgemein “Digitalisierung”, also führt kein Weg an diesem Begriff vorbei, so bescheuert er in diesem Kontext auch sein mag.

Bei der Digitalisierung geht es um Daten, um deren Erhebung, Speicherung, Verarbeitung und Versendung. Und da die Daten ja nicht im abgeschotteten Raum entstehen, sondern an die Menschen, Dinge, Vorgänge, Zusammenhänge usw. der realen Welt gekoppelt sind, geht es darum, steuernd in die realen Lebensbedingungen einzugreifen. Je mehr Daten anfallen, desto wirkungsvoller sind die Steuerungsechanismen, desto größer sind Nutzen und Effektivität. Die Datenverarbeitung ist keine Erscheinungsform oder Nebenwirkung der Digitalisierung, nein, sie ist Digitalisierung. Die Digitalisierung vorantreiben heißt den Datenverkehr erhöhen, und der Datenverkehr wiederum lässt sich nur bremsen, indem man die Digitalisierung zurückfährt.

Aber das will keiner, denn Effektivität, Komfort und all die Vorteile, die durch die Digitalisierung ermöglicht werden, scheinen grenzenlos zu sein. Natürlich auch die potentiellen Nachteile, doch die wird man schon zu vermeiden wissen, irgendwie. Je weiter jedenfalls die Datenströme gefächert sind, je tiefer man in bisher noch verschlossene Räume eintaucht, desto wirkungsvoller ist die Digitalisierung. Möglichst alles über alles und jeden wissen, das ist das große Ziel der Digitalisierung. Das Ziel wird oft als “Big Data” bezeichnet, und das Prinzip, das dahinter steckt, lautet “Transparenz”.

Das Gegenteil dieser Art von Transparenz, nämlich Privatsphäre, wird mit zunehmender Digitalisierung an Bedeutung verlieren, und irgendwann wird ein Punkt erreicht werden, wo Privatsphäre überhaupt keine Rolle mehr spielen wird. Sie wird weder durchsetzbar noch erstrebenswert sein. Dinge wie der Schutz der Wohnung oder wie das Post- und Briefgeheimnis werden schlichtweg obsolet sein. Wer glaubt, man könne diese schon jetzt stark schrumpfenden Persönlichkeitsrechte aufrecht erhalten, denkt sehr naiv und hat das Prinzip der Digitalisierung nicht verstanden. Die Digitalisierung schafft ein anderes Menschenbild mit anderen Grundwerten und einem anderen demokratischen Verständnis.

Zu diesen Werten wird nach wie vor der Datenschutz gehören, aber in einer völlig neuen Bedeutung. Bisher war Datenschutz gleichbedeutend mit Personenschutz. Vor allem der Zugriff auf die Privatsphäre solte durch den Datenschutz erschwert oder ganz verhindert werden. Dieses Prinzip der “informationellen Selbstbestimmung” ist sogar im europäischem Recht verankert. Doch mit dem Wegbrechen der Schutzbedürftigkeit machen auch die Schutzmaßnahmen keinen Sinn mehr.

Dennoch wird es auch demnächst Datenschutz geben. Er wird darin bestehen, dass man Konzernen oder Verwaltungen, die eine Datenfülle angehäuft haben, dieses Material nicht einfach wegnehmen darf – auch nicht kopieren. Oft werden die Daten auf kostspielige Weise gesammelt und gespeichert, und ähnlich wie beim Urheberrecht oder Patentrecht wird man den Besitzern von Daten das Recht zugestehen, das Material selbst zu vermarkten. Aus dem Schutz vor Daten wird mit zunehmender Digitalisierung ein Schutz von Daten, so wie der Schutz des konkreten oder abstrakten Eigentums. .

Das Wegbrechen der Privatsphäre wird absolut sein, denn die Datenerfassung wird nichts auslassen. Nichts. Selbst die allerprivatesten Dinge wie die individuellen Genstrukturen werden in Datenbanken gesammelt werden. In den USA (All-of-us-Projekt), in China (natürlich) und auch in Deutschland (genomDE) gibt es Genom-Datenbanken bzw. werden aufgebaut. Zwar versichern deutsche Forscher, die Daten würden pseunodnomisiert, aber das ist noch nicht dasselbe wie eine konsequente Anonymisierung. Bei der Pseudonomisierung kann jederzeit mit wenigen Handgriffen der Bezug zur Person rekonstruiert werden. Voilà.

Freheit in der digitalen Welt

Stellen wir uns vor, die Landtags- oder Bundestagswahlen würden nicht geheim durchgeführt, sondern öffentlich, z.B. indem auf den Wahlzetteln der Name angegeben werden müsste. Die Wahlzettel würden dann digital erfasst, sodass die Wahlentscheidung aller Wählenden jederzeit einzusehen wäre. Könnte man dann noch von einer freien Wahl sprechen?

Die Antwort erübrigt sich wohl, denn allzu offensichtlich kann sich Freiheit nur im unüberwachten Raum entfalten. Jede Kontrolle, ganz egal in welcher Form sie stattfindet, schränkt die Freiheit mehr oder weniger ein. Die Datenerfassung, verbunden mit der Möglichkeit der Zuordnung zu bestimmten Personen, ist immer auch ein Kontrollmechanismus, mag sie noch so still und unbemerkt daherkommen. Sobald sich irgendwelche Konsequenzen aus der Verdatung ergeben, wird schnell der Freiheitsverlust offensichtlich. Andererseits gibt es immer mehr und immer triftigere Gründe, auf die Datenerfassung und -auswertung nicht zu verzichten. Das führt zwangsläufig zu Konflikten mit der herkömmlichen Auffassung von Freiheit, und die Menschheit wird das tun, was sie in ihrem Überlebenskampf schon wiederholt praktiziert hat: Sie wird Werte neu definieren, auch den Freiheitsbegriff.

“Aber noch haben die Menschen in den demokratischen Gesellschaften die Freiheit zu demonstrieren, ihre Meinung zu sagen, oppositionelle Gruppierungen auf den Beine zu stellen, an der Umstrukturierung der Gesellschaft zu arbeiten usw.” Klar, diese Freiheiten gibt es noch. Noch, denn die Digitalüberwachung steckt ja noch in den allerersten Anfängen. Dafür sorgt u.a. das Instrument des Datenschutzes, und zwar im klassischen Sinne von Personenschutz. Der Datenschutz spielt zwar im Zuge der Digitalisierung eine Rolle, ist aber vom Wesen her ein vordigitaler Mechanismus. Ein Mechanismus, der die allseits angestrebte Digitalisierung ausbremst und deshalb als nicht mehr erstrebenswert auf der Entsorgungsliste steht.

Typisches Anzeichen für die Auflösungsbestrebungen des Datenschutzes ist z.B. der Begriff der Datensouveränität, die den Datenschutz nach und nach ablösen soll. Jeder soll selbst entscheiden, welche Daten er preisgibt, allerdings möglichst viel, damit die Digitalisierungsmaschine gut läuft. Selbst Frau Merkel, der man guten Gewissens eine demokratische Grundhaltung attestieren kann, äußerte vor einigen Jahren in Saarbrücken, auf dem Weg zum Big-Data-Management müsse man aufpassen, dass der Datenschutz nicht allzu bremsend gestaltet wird. Das Fazit ist eindeutig: Digitalisierung verträgt sich nicht mit Datenschutz, und je dynamischer die Digitalisierung betrieben wird, desto gründlicher wird man die Hindernisse in Form von Datenschutzmaßnahmen aus dem Weg räumen. Und desto intensiver wird eine Personenkontrolle stattfinden – bei gleichzeitigem Verlust von Freiheit.

Nun schafft ja gerade die Digitalisierung auch sehr viele Freiheiten, kann jetzt gleich das Gegenargument angeführt werden. Die Leute streamen immer mehr, können sich also die Medieninhalte dann zu Gemüte führen, wenn sie es möchten. Die Leute haben die Freiheit, auf den Medienplattformen alles zu sagen was sie sagen möchten. Die Leute haben die Möglichkeit, alle denkbaren Produkte bequem online zu bestellen, wenn sie es möchten. Sie haben einen freien Zugang zu Produkten, die sie auf herkömmliche Weise nicht oder nur mit großem Aufwand erwerben könnten.

Doch ist das wirklich Freiheit? Oder sind das bloß Freiheitskrümel, die jedoch ausreichen, damit die Menschen sich frei fühlen? Für wirkliche Freiheit haben Menschen schon ihr Leben riskiert; echte Freiheit ist Kraft und kann der Nährboden für Visionen sein. Mit Komfort und Bequemlichkeit hat Freiheit so gut wie nichts zu tun. Im Gegenteil: Freiheit bedeutet Aufwand und Mühe, verlangt Entscheidungen und die Übernahme von Verantwortung, ist oft mit Gefahr verbunden. Dagegen wirken die “Bequemlichkeitsfreiheiten” der digital durchtränkten Welt geradezu lächerlich. Doch die Leute lassen sich gerne mit Ersatzfreiheiten abspeisen und merken natürlich nicht, wie sie in den entscheidenden Belangen ihres Lebens kontrolliert und geführt werden. China hat’s vorgemacht: Gebt den Menschen genügend Freiraum in wirtschaftlichen Belangen, die sich besonders auf ihr Wohlergehen auswirken, und kontrolliert dafür ihr systemrelevantes Verhalten mit aller verfügbaren Strenge. Die Menschen werden dieses Arrangement akzeptieren.

Es wird immer Freiheit für die Menschen geben, und wo nicht, werden die Leute irgendwann revoltieren. Aber die Schwerpunkte werden sich im Zuge der Digitalisierung auf die kleinen Dinge des Alltags verlagern; die große, oft mit Visionen verbundene Freiheit wird in den Hintergrund rücken und sich im Endstadium der Digitalisierung auflösen.

Mir fällt in diesem Zusammenhang ein Gedicht von Rainer Maria Rilke ein: Der Panther. Ich brauche das Gedicht nicht zu zitieren, denn fast jeder kennt diese Strophen von dem hinter Gitterstäben gefangenen Raubtier, und niemand wird auf den Gedanken kommen, der Panther sei frei. Aber das Tier kann sich doch links herum oder rechts herum im Kreis drehen; es kann sich dann zum Fressnapf bewegen, wenn sich der Hunger bemerkbar macht. Es gibt keine Zwänge, die sich aus der Notwendigkeit der Jagd ergeben, das Fressen wird quasi online angeliefert und kann zu jedem beliebigen Zeitpunkt in den Magen gestreamt werden.

Auch wenn das Bild von dem Panther überzeichnet sein mag, es veranschaulicht doch, wie sehr sich der Freiheitsbegriff im Zuge der Digitalisierung ändern wird. Ist das Wohlbefinden der Menschen nicht die Hauptsache? Also schauen wir aufgeschlosssen nach China und beeilen uns. Und denken wir daran: Die Digitalisierung hat das Zeug, eine Welt zu schaffen, die das Streben nach Freiheit überflüssig macht, weil sich alle Menschen in einer Komfortzone bewegen, die den Gedanken an Unfreiheit gar nicht erst aufkommen lässt.

Mieten statt Kaufen

Übers Internet lassen sich Medieninhalte aller Art transportieren: Bilder, Texte, Videos, Sprache, Musik usw., und das mit vorher nie gekannter Reichweite und Geschwindigkeit. Und vieles von dem, was sich nicht direkt ins Netz quetschen lässt (Verkehrsmittel, Waren usw.) kann mit großer Effizienz übers Internet verwaltet und orgenanisiert werden. Es gibt kaum einen Bereich des modernen Lebens, in welchem das Internet nicht erheblich die Effektivität steigern könnte.

Vor allem aber: Diese Effektivität erlaubt es, neue Geschäftsmodelle auf die Beine zu stellen und mit bzw. im Internet Geld zu verdienen. Viel Geld, wie die Bilanzen der großen, etablierten IT-Konzerne belegen.

Abstrakt statt konkret

 

 

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Liebe Petra Gerster

Vor kurzem, einige Wochen nach Antritt ihres wohlverdienten Ruhestandes, hat die ZDF-Moderatorin Petra Gerster zurückgeschlagen. Sie beklagt sich bitter üder die Shitstorms und wüsten Reaktionen auf ihr Sternchengendern (als sie noch die Heute-Sendungen moderierte). Es seien vor allem die Männer und von denen wiederum die älteren, die besonders agressiv in Erscheinung getreten seien, beklagt sie sich. Jetzt wissen wir es:  Der harte Kern der Gegner einer gendergerechten Sprache ist unter den älteren Männern zu suchen, während de aufgeschlossenen, nach Geschlechtergerechtigkeit strebenden Zeitgenoss*Innen von der Gruppe der jungen Frauen und Mädchen vertreten wird.

Rrumms, da hat es mich also voll erwischt, denn ich gehöre zu den älteren Männern, und ich habe mich leidenschaftlich gegen das Sternchengendern ausgesprochen. Ja, ich habe sogar die Petra Gerster (u.a.) namentlich erwähnt, weil kaum jemand das Gendersternchen so präzise und deutlich artikulieren kann wie sie. Folglich muss mich Gersters Klage bis ins Mark treffen, und mir bleibt nur das demütige “Mea culpa”.

Oder?

Irgendwie fühle ich mich doch nicht angesprochen, denn Gerster unterstellt der Anti-Gender-Hardcore-Truppe mangelnde Achtung vor dem anderen Geschlecht. Genau das aber ziehe ich mir nicht an. Zeitlebens waren es vornehmlich Frauen, die mein Leben geprägt haben und mir als Vorbilder dienten. Ich erinnere mich daran, wie ich mit meinen Töchtern auf die erste Bundeskanzlerin angestoßen habe. Ich unterstütze bedingungslos die Forderungen von Maria 2.0 nach Zugang der Frauen zu allen Ämtern in der katholischen Kirche. Für mich ist jeder Cent, den Frauen in vergleichbaren Postionen weniger verdienen als Männer, ein Skandal. Usw. Also so pauschal lässt sich die Sache nicht einordnen, Frau Gerster.

Vor allem aber war und ist mein Widerstand gegen das Sternchengendern überhaupt nicht gegen das weibliche Geschlecht gerichtet, sondern es geht mir einzig und allein um die Sprache. Wenn jemand bei jeder Gelegenheit die weiblichen und männlichen Personen explizit aufführen will, dann ist das ok, wenngleich in den meisten Fällen überflüssig und gelegentlich auch ein bisschen blöd. Doch, wie gesagt, grundsätzlich ist das in Ordnung.

Was jedoch nicht in Ordnung ist, das ist die Zertrümmerung der Sprache durch das Gendersternchen, besonders wenn gesprochen wird. Dieses künstlich aufgesetzte Konstrukt steht in krassem Widerspruch zur natürlich gewachsenen Sprache und bedeutet eine grobe Missachtung dessen, was Sprache im Miteinander der Menschen leistet. Aber selbst wenn wir die Achtung vor der Sprache außen vor lassen würden, müssten wir doch feststellen, dass das Gendersternchen eine totale Fehlkonstruktion ist. Es berücksichtigt in vielen Fällen nur noch das weibliche Geschlecht (Beispiel Präsident*Innen); das männliche Geschlecht (und die weiteren Formen geschlechtlicher Existenz) werden dabei nicht berücksichtigt. Warum also nicht gleich “Präsidentinnen”? Ist das etwa keine Diskiminierung? Hinzu kommt, dass das Gendersternchen vielfach überhaupt nicht in den grammatischen Rahmen der Sprache passt (Genitiv, Bestimmungswörter usw.) Versuche, hierbei trotzem mit Sternchen zu gendern, führen zu unerträglichen Sprachverkrüppelungen. Oder sie belegen erschreckende Defizite in Sachen Sprachgefühl.

Ich denke, die Frauen haben es verdient, dass sie sprachlich anständig bedient werden, dass man ihnen nicht mit Sprachtrümmern gerecht zu werden versucht. Wehrt euch doch, ihr Frauen, ihr seid zu schade für den Genderstern, ihr seid zu schade für Wortbruchstücke.


Nachtrag: Letzten Sonntag schaute ich mir im Fernsehen den evangelischen Gottesdienst an, der aus dem Dom in Bremen übertragen wurde. Dieser Gottesdienst läutete eine wichtige Synode ein; deshalb war er besonders interessant. Und er war aufschlussreich, denn er dokumentierte, dass die Frauen im Begriff sind, das Heft zu üernehmen. Außen einem der beiden Geistlichen und noch irgendeinem Beteiligten waren alle Akteure weiblich. Sogar der stattliche Chor bestand nur aus Mädchen und Frauen. Dann kam der Hammer: eine resolute Sprecherin, offenbar in maßgebender Funktion der kommenden Synode, sprach von “Zeug*Innen”. Das hörte sich so unerträglich an, dass ich – wie schon so oft in vergleichbaren Sitationen – spontan aufgestanden bin und den Raum verlassen habe. Die Gefahr, noch einmal das “*Innen” um die Ohren gehauen zu bekommen, war einfach zu groß. Dann lieber Gottesdienstabbruch.


Nachtrag: Ein oder zwei Tage später, es war wieder eine Nachrichtensendung des ZDF. Dort hieß es, die neu gewählte evangelische Ratspräsidentin Annette Kurschus wolle den Missbrauch in der evangelischen Kirche zur “Chefinnensache” machen. Wieder so ein Fall. Natürlich geht es hierbei nicht um den unerträglichen Genderstern, sondern hier wird mangelndes Sprachverständnis deutlich. Es geht doch ganz eindeutig um eine Sache und nicht um eine Person. Soviel ich weiß, haben Verantwortlichkeiten oder Aufgaben überhaupt kein Geschlecht. Was soll also dieser Unfug mit dem krampfhaften Herumgendern, verdammt noch mal?