Ach ja, Corona und die Digitalisierung

Eigentlich wollte ich gar nicht mehr über dieses ausgelutschte Thema schreiben, aber was ich heute in unserer Tageszeitung, der “Ibbenbürener Volkszeitung” vorgesetzt bekam, brachte mich dermaßen auf die Palme, dass ich einfach Luft ablassen muss. Es war der Redakteur Elmar Ries, der im Artikel “Vollgas auf der Datenautobahn” und dem Kommentar “Total digital” gleich zweimal zuschlug.

Beginnen wir mit dem Kommentar. Keiner zweifelt daran, dass das Schulwesen besonders unter der Corona-Pandemie leidet. Und woran liegt es? Klar, nach Meinung des Kommentators ist einfach zu wenig digitalisiert worden. Hätten wir mehr Schwung in die Digitalisierung gebracht, dann müsste unser Schulsystem nicht so arg leiden. Aber wir haben’s verpennt, schreibt Ries, und so “fallen einem die Versäumnisse der Vergangenheit als fettes Problem vor die Füße.” Und das, obwohl uns “viele Nachbarländer seit Jahren vormachen, wie das funktioniert” (mit der Digitalisierung).

Tja, jetzt weiß ich’s. Die progressiven Nachbarländer haben offenbar keine Probleme mit dem Schulbetrieb während der Pandemie, und auch sonst sind sie uns rückständigen Deutschen so richtig überlegen, sonst würde man ja nicht so sehr ihren digitalen Fortschritt preisen. Sie haben offensichtlich ein besseres Gesundheitssystem, eilen uns in Forschung und Technik davon, haben stabilere Volkswirtschaften, schauen von einem höheren Lebensstandard auf uns herab usw. Oder?

Natürlich ist das Quatsch. Und die mangelnde Digitalisierung als Ursache für die Corona-Probleme heranzuziehen, ist einfach nur bescheuert. Jawohl, Herr Ries, total bescheuert. Als wenn irgend jemand vor einem Jahr voraussehen konnte, dass Digitalisierung eine Hilfe bei der schulischen Bewältigung einer noch nicht bekannten und noch nicht vorhersehbaren Pandemie sein könnte. Und als wenn irgend jemand imstande gewesen sein könnte, innerhalb von wenigen Monaten das “Versäumte” nachzuholen. Nein, die Pandemie eignet sich nicht, um Gründe für eine beschleunigte Digitalisierung zu liefern. Was den Schulbetrieb betrifft, so halte ich diese Diskussion sogar für zynisch, weil Bildung ein Vorgang ist, der sich nicht ohne weiteres digitalisieren lässt. Es sei denn, man ist so oberflächlich, Bildung ausschließlich als reines Lernen zu betrachten. Nichts gegen Endgeräte in den Klassen und/oder zu Hause, aber mehr als eine Ergänzung dürfen die nicht sein. Werkzeuge wie Schulbücher und Füller.

Also wozu die von Ries geforderte digitale Offensive? Außer dem untauglichen Argument des HomeSchoolings (Scheißwort) nennt er in dem Kommentar keinen einzigen Grund.

Den fand ich dann in dem eigentlichen Artikel. Ries lobte die digitalen Anstrengungen im Kreis Coesfeld. Ziel sei, so der Breitbandkoordinator des Kreises, “dass jeder schon die Fußballweltmeisterschaft 2022 über einen Glasfaseranschluss in Ultra-HD schauen kann”. Da kommt natürlich Freude auf, und vor allem die Hoffnung, dass das qualvolle TV-Schauen mit der mickrigen Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln bald ein Ende findet.

Aber ich muss gleichzeitig gestehen, dass ich den Artikel nicht richtig verstanden habe. Ries nennt zwei Wege, die digitale Infrastruktur voranzutreiben: das Kabel und das Breitband. Kabel oder Breitband als Alternativen? Kapier ich nicht. Ich war immer der Meinung, das Kabel sei eine der Möglichkeiten, um zu einem Breitbandbetrieb zu gelangen. Oder sind neuerdings gar nicht mehr die Frequenzbänder und deren Übertragungsdichte gemeint, wenn man von “Breitband” spricht?

Egal, ich lasse mich gerne belehren. Im Zuge der Digitalisierung werden ohnehin manche Begriffe vermanscht: So bezeichnet man die Vernetzung als “Digitalisierung”, obwohl “Digitalisierung” eigentlich etwas ganz anderes meint. Oder Google hat Internetadressen und Suchwörter in einen Topf gerührt, für logisch denkende und handelnde Leute keine Erleichterung, sondern eher Verwirrung, für geistig eher schwach ausgestattete Leute ein willkommener Komfort. Und so kann es ja auch sein, dass man unter “Breitband” so etwas wie platte, breite Strippen meint, so wie die Elektro-Installationskabel, die unter Putz verlegt werden, im Gegensatz zu den runden Glasfaserkabeln. Das ergäbe Sinn.

Heute-Journal mit Pause

Es gibt gewisse Dinge, die kann ich einfach nicht mehr ertragen. Viele dieser Unerträglichkeiten spielen sich im TV ab, und zwar im ZDF, meinem bislang bevorzugten Sender.. Nicht, weil ich das Programm für besonders gut halte, sondern weil ich die relativ seriöse Berichterstattung in den Nachrichtensendungen schätze. Und da ich mir außer Nachrichten praktisch keine Sendungen anschaue, gibt es keinen zwingenden Grund, die 30 oder 45 Minuten persönliche TV-Zeit in einen anderen Kanal zu verlegen.

Dennoch wird der TV-Konsum für mich zusehends unerträglicher. Da ist zum Beispiel die Art und Weise, wie die Moderatoren mit den “Zugeschalteten” umgehen: Marietta Slomka, die oft schon bei der zweiten oder dritten Frage regelrecht verbissen auftritt. Oder Klaus Kleber, der auf ziemlich arrogante Weise den Zugeschalteten in die Parade fährt, wenn er seine Gesprächsführungshoheit in Gefahr sieht. Selbst eher zurückhaltende Journalisten wie Theo Koll oder Shakuntala Banerjee werden zusehens agressiver gegenüber den Interviewten. Devise, die von der Nachrichtenredaktion ausgegeben wurde? Schade, denn journalistische Klarheit erlangt man nicht, indem man Gäste in die Enge treibt. Leute, die man festnagelt, können nicht mehr argumentieren, sondern nur noch zappeln. Jedenfalls verlasse ich den Raum für 10 Minuten, wenn Slomka die obligatorischen “Zugeschalteten” interviewt. Vor allem, wenn die Gäste aus der Politik kommen. Heute-Journal mit Pause.

Völlig unerträglich ist für mich die sprachliche Verkrüpplelung in Form des angehängten und doch abgetrennten *Innen. Wer sich nicht damit anfreunden kann, dass die geschlechtsneutrale Form mit der maskulinen Form übereinstimmt, kann ja meinetwegen von “Journalistinnen und Journalisten” reden, wenn ihr (ihm) das nicht zu lang ist, aber Journalist*Innen ist eine sprachliche Verkrüppelung. Gerade die deutsche Spache bietet viel Flexibilität, und man kann auch schon mal pfiffige Wortzusammensetzungen kreieren. aber dieser künstliche  Stolperlaut, dieser sprachliche Schluckauf ist einfach nur unangenehm und lässt mich jedesmal zusammenzucken. Vor allem, wenn Petra Gerster sich dieser Sprachdelle mit rhetorischer Präzision bedient, ist für mich die Sendung zu Ende. Dann geh’ ich raus und komme wieder rein, wenn Gerster vom Bildschirm verschwunden ist. Die Frau eines Freundes äußerte vor kurzem mal: “Gerster? Die kann ich nicht ab, die wirkt auf mich zu unterkühlt. zu perfekt und zu arrogant.” Na ja, solange sie keinen Gender-Schluckauf kriegt, habe ich persönlich nichts gegen sie.

Dann gibt es noch etwas, was wohl alle Sender betrifft. Natürlich bewegt uns der Impfstoff gegen Covid 19 in hohem Maße. Und natürlich wollen die Medien zu allem und jedem ein Bild oder eine Videosequenz bringen, sonst wissen die Leute von heute ja gar nicht mehr, worum es geht. Schlimmer noch: Sie könnten abschalten, wenn sie keine Bilder vorgesetzt bekommen. Und so habe ich in den letzten Tagen mindestens 40, 50 mal zusehen mussen, wie Ärzt*Innen eine lange Spitze tief in irgendeinen Oberarm rammen. Mal schwungvoll locker, mal verbissen angestrengt (tief genug?), mal sportlich energisch wie bei einem Dart-Werfer. Rekord: 4 mal in einem 5-minütigen Beitrag. Ich versuche zu verstehen, warum dieses Stechen immer wieder in Großaufnahme gezeigt wird, und komme zu dem Ergebnis, dass die Gestochenen dabei sowas wie ein Lustgefühl empfinden müssen. Doch warum unterdrückt man das Lustgestöhn? Man ist doch sonst nicht so pingelig, wenn es um Hintergrundgeräusche geht: Musik, die lauter ist als die Sprache des Kommentators, ausländische Gäste, die erfolgreich die Stimme des Simultan-Dometschers übertönen.

Mir fiel neulich wieder ein Bierdeckel in die Hände, auf dem vor einigen Jahren in einem irischen Pub mein Pint of Guinness stand. Ich habe den Deckel eingesteckt. Darauf ist ein Spruch von Henry G. Strauss zu lesen:

“I have every sympathy with the american who was so horrified by what he had read of the effects of smoking that he gave up reading”

Recht hat er, man muss nicht alle Unerträglichkeiten an sich heranlassen, sofern sie nur einen persönlich betreffen. Das silt sowohl für das lautstarke Getöse rund um den blauen Dunst als auch für banale Merkwürdigkeiten in der medialen Berichterstattung. Ich muss nicht “Heute” schauen, es gibt Alternativen. Und ich muss mich nach diesen Stechorgien im Fernsehen nicht auch noch selbst beteiligen, indem ich mich impfen lasse.

Ach was, einfach das Fernsehgucken aufgeben. Vielleicht die beste Lösung: schlichtweg nichts mehr hören und sehen von der ganzen Scheiße ringsum.


P.S. Da kommt man ins Grübeln:

die Person – die Personen – die Boypersonen (Recht auch auf maskulinen Plural)
der Gast – die Gäste – die Gästinnen – die Gäst*innen
der Mensch – die Menschen und Menschinnen
das Kind – die Kinder – die Kinder*innen (Kinderrecht)
auch dies: herrlich – dämlich (aua)

Vorschlag: bei soviel sprachimmanenter Diskriminierung sollte man ernsthaft überlegen, die deutsche Sprache von Grund auf neu zu konzipieren. Dann kann man ja auch den Sternchen-Schluckauf reinbasteln und noch andere tolle Konstrukte. Und vielleicht finden sich sogar Wege, die dritte, vierte und fünfte sexuelle Orientierung sprachlich angemessen zu berücksichtigen. Am besten nur noch ein Geschlecht. So wie es keine Rassen mehr gibt, braucht man ja keine Unterscheidung zwischen weiblich und männlich mehr. Also, holt die Leute wieder zusammen, die schon vor Jahren die Rechtschreibreform auf die Beine gestellt haben, die haben nämlich Ahnung, wie wir erfahren durften.

 

Auch mal was Erheiterndes

2020 – das war wohl das beschissenste Jahr seit etlichen Jahrzehnten, ich glaube, da sind wohl alle derselben Meinung. Corona – ja, aber nicht nur. Da war (ist) noch der Wüstling und Erpresser im Weißen Haus, dann der Brexit, oder die querdenkenden Virenversprüher. Und das Netz, das nicht nur Bequemlichkeit und Effektivität schafft, sondern auch vor Hass, Lügen und Schmutz überquillt und die Gesellschaft verseucht; Politiker, deren Wortschatz immer mehr auf einen einzigen Begriff zusammenschrumpft: ‘Digitalisierung’. Alles gut, wenn es erst mal digital ist. Mein Gott.

Freude? Im Beethoven-Jahr, in dem dieser Götterfunke in allen Winkeln besungen wird, funkt es überhaupt nicht. Um nicht total zu versauern, muss man sich an Ersatz klammern, zum Beispiel an Schadenfreude. Und wenn diese noch in komödiantischer Form angeregt wird, dann gibt es Grund, mal wieder auf die Knie zu klatschen und das Lachen neu zu versuchen.

Was ist geschehen? Nun, vor einigen Tagen wurde bekannt, dass in den USA ein schwerwiegender, erfolgreicher Hackerangriff auf sensible Strukturen im Netz stattgefunden hat. Die Hacker müssen sich schon seit längerer Zeit in den verbotenen Winkeln des Internets herumgetrieben und dabei wahrscheinlich so manchen dicken Datenbrocken eingesteckt haben. Auch lebenswichtige Versorgungsstrukturen sollen bedroht worden sein. Eine Attacke dieses Ausmaßes, so vermutet man, kann nur von einem Geheimdienst, vermutlich dem russischen, ausgegangen sein. Na ja, vermutet man jedenfalls. Ist ja auch naheliegend.

Und so sind die Betroffenen richtig sauer und toben. “Solche Verbrecher!” – An diesem Punkt kommt Komik ins Spiel. Meine Güte, nun bleibt doch auf dem Teppich. Die Hacker machen doch nur ihren Job, egal bei welchem Geheimdienst, auch bei eurem eigenen. Eure Entrüstung ist doch nur vorgespielt, nichts anderes als Theaterdonner mit einem spürbaren Unterhaltungswert. So ähnlich wie die unvergessliche Szene, als Angela mit ihrem ausspionierten Smartphone in der Hand entrüstet sagte: “Spionieren unter Freunden, das geht gar nicht.” Doch, Frau Merkel, das geht und wird gemacht. Ertragreicher ist natürlich das Ausspionieren von potentiellen Feinden.

Nur die Methode des Spionierens hat sich geändert. Man muss nicht mehr beherzte, mutige Leute mit getarnter Kamera in Feindesland schicken oder – besser – dort Leute als Agenten anwerben. Das geht heute bequemer, wie alles, was man digital macht. Irgendein Raum an irgendeiner Stelle in der Welt, egal ob im kalten Moskau, im dunstigen Peking oder auf einer kleinen Insel in der Karibik. Tasse Kaffee aufbrühen, Rechner einschalten, und schon ist man nur wenige Klicks von allen Orten der Welt entfernt. Nun ist vor allem Erfahrung, Geduld und IT-Wissen gefragt, mutige Helden braucht man nicht mehr.

Was diese bleichgesichtigen Hacker im Netz vorfinden, ist schon mehr als üppig. Da sind, direkt vor der Nase, die Türen zu den wichtigen Datenbereichen: Infrastruktur und Versorgung, Waffenentwicklung, militärische Pläne usw. Und dann liegen da, direkt vor den Füßen, die prallgefüllten Clouds, diese ganz, ganz dicken Datenbrocken. Sicher, da hängen Vorhängeschlösser an den Eingangstüren, in der IT-Sprache “Passwörter” genannt. Manche kann man mit der Hand aufbiegen, aber meistens stecken hinter diesen schlecht gesicherten Türen unwichtige Klamotten. Es gibt natürlich auch dickere Schlösser, so an die 20 Zeichen, mit Ziffern gemischt usw. Kennen wir, Passwörter, bei denen man zur Eingabe eine zweite Person braucht, jemand, der die Zeichenfolge in Vierergruppen diktiert. Passwörter, die man in einer Kladde notieren muss, weil kein Mensch sie sich merken kann. Im Netz gibt es die Gegenstücke solcher Kladden, sowas wie Schlüsselschränke. Und wenn die Hacker da dran kommen, heißa, dann knallen die Korken.

Nun geht es vor allem darum, die Spuren zu verwischen, und genau das ist den Hackern im aktuellen Fall nicht dauerhaft gelungen. Also doch nicht so gute Arbeit. Aber kein Grund, traurig zu sein. Die Leute haben ganz bestimmt so manche Tür aufbekommen, ohne dass man noch auffällige Kratzspuren daran sieht. Im Ernstfall sind diese geknackten Türen wichtiger als Schießgewehre und Bomben da oben in der analogen Welt. Kriegsführung am Computer! Ist das nicht eine besonders saubere Abteilung der Digitalisierung? Kein Leichengestank, keine Trümmer, keine unangehm lärmenden Bomben. Einfach den Strom mit einigen Klicks abschalten, sagen wir für 4 Wochen. Das reicht. So geht Krieg machen heute. Kann ja auch sein, dass es ganz ohne Opfer abgeht, einfach mit Erpressung.

Also, die Mädels und Jungs in der Hackzentrale eures Geheimdienstes machen einen wichtigen Job. Und wenn ihr euch darüber aufregt, dass andere Staaten auch sowas kennen, dann wirkt das irgendwie lustig. Weniger lustig ist es, wenn Bescheuerte auf die Idee kommen, Sachen ins Internet zu packen, die da einfach nicht hineingehören. Russen und Chinesen sind da schon etwas schlauer, die haben nämlich gemerkt, dass man besser das inländische Netz vom globalen Internet abkoppelt. Die wissen wahrscheinlich, wie lächerlich das ganze Passwort- und Verschlüsselungsgehabe ist, denn jedes (!) Passwort, jeder (!) Codierungsschlüssel hat im Netz ein Gegenstück. Das muss man nur finden, wobei es auch außerhalb des Netzes, in der ganz analogen Welt, hochinteressante Zugänge gibt. Dazu muss man nur die menschlichen Schwächen kennen. Also ran, auf zum digitalen Abenteuerspielplatz.

Recht auf Unrecht

“Das war ein Riesenstück Arbeit.” So oder so ähnlich beschrieb Angela Merkel die vielstündige Sitzung der Regierungschefs, bei der am Ende das herauskam, was im Grunde vorhersehbar war: Polen und Ungarn wurde das Recht zugestanden, ihre Staaten zu Unrechtsstaaten zu entwickeln. Sicher, das war in der Tat ein Riesenstück Arbeit, denn Europa ist sehr sehr stark, und um es zu zersetzen, muss man schon kräftig in die Hände spucken. Aber Merkel hat es geschafft.

Dabei waren die Chancen, hier endlich mal Klarheit zu schaffen, so gut wie nie. Polen und Ungarn haben bei ihrem gemeinsamen Erpressungsvorstoß hoch gepokert und in dreister Manier ihre empfindlichsten Seiten entblößt.. Es wäre ein leichtes gewesen, die beiden Staaten, die überhaupt nicht zu Europa gehören sondern lediglich Schmarotzer sind, gegen die Wand fahren zu lassen. Aber die raffinierten Lenker in diesen beiden Staaten kennen natürlich Merkel. Sie wissen, dass Merkels Kompromissbereitschaft keine Grenzen kennt. Man kann sich das Getuschel zwischen den beiden vorstellen. Polen: “Kann man das riskieren? Was ist, wenn die anderen einfach ohne uns beschließen? Dann stehen wir ohne Geld da.” Ungarn: “Quatsch. Denk daran, dass Deutschland die Ratspräsidentschaft hat, und Merkel wird niemals nach Hause gehen, ohne einen Kompromiss auszuhandeln, den wir ohne weiteres als Sieg verbuchen können.” Polen: “Au ja, und dann haben wir in Zukunft noch bessere Aussichten.”

Haben sie in der Tat. Tja, so ist das, Frau Merkel. Es wird Zeit, dass Deutschland mal wieder Rückgrat und Haltung zeigt. Und Zeit, dass Europa sich auf den gesunden Kern besinnt. Amputationen scheinen unumgänglich.

Wau wau !

Ich tippe bei meinem Smartphone auf das Icon von Chrome, weil ich einige Informationen über Hochdruckreiniger möchte. Eigentlich bevorzuge ich ja den Firefox, aber der kann auf meinem Android-Phone nicht richtig mit den auf Rasterbasis aufgebauten Webseiten (ein Entgegenkommen an das von Google geforderte responsive design) umgehen; immer wieder bleiben einige Blöcke schwarz. Also wohl oder übel der so beeindruckend unlogisch zu bedienende Chrome-Browser.

Hochdruckreiniger. Ich irre zwischen den Seiten umher. Informationen gibt es kaum, eigentlich nur kommerzielle Kaufangebote. Bei einer Seite bleibt Chrome hängen, wahrscheinlich weil der Verbindungsaufbau nicht klappt. Auf meinem PC würde ich nun den Browser beenden und wieder bei Null anfangen, aber unter Android geht das nicht. Selbst wenn ich auf die Smartphoneseite gehe, wo man alle Apps beenden kann, beharrt Chrome bei einem Neustart auf die angeforderte, zickige Seite – bis zum erlösenden Time-out. Selbst wenn ich das Phone ganz ausschalte, ist nach dem Neustart von Android und Chrome die alte Seite wieder da. Kein beruhigender Startbildschirm, immer irgendwo unterwegs.

Genau das ist natürlich die Absicht von Google und Apple. Es soll keine inaktiven Ruhepunkte geben, immer auf Achse sein, immer in Bereitschaft stehen. Die Konzerne wollen über das Smartphone führen, permanent. Diese Haltung ist Bestandteil des Geschäftsmodells, bei dem es ja auf ständigen Datenverkehr ankommt, und sie ist Bestandteil der Geschäftsauffassung, die danach strebt, die Benutzer nicht mehr zum Nachdenken und kritischen Reflektieren kommen zu lassen. Dynamik, die keinen kritischen Seitenblick zulässt.

In der Tat, über die Smartphones werden die Menschen wie an der Hundeleine geführt. Wenn ich sehe, wie die Leute im Laden oder in der Öffentlichkeit auf ihre Phones starren und darauf herumwischen wie verrückt, dann kommt es mir vor, als müssten sie gleich anfangen zu bellen. Wau wau!

Aber zurück zu den Hochdruckreinigern. Wirklich brauchbare Informationen konnte ich über das Smartphone nicht erzielen, und selbst die Preisangebote der kommerziellen Google-Fundseiten erschienen mir irgendwie nicht eindeutig. Werden einige Angebote immer teurer? Vielleicht sind einige Algorithmen auf mein Interesse aufmerksam geworden und haben dynamisch reagiert. Ich glaube, ich lasse mich doch lieber im Fachhandel vor Ort beraten. Also lege ich das Smartphone zur Seite, d.h. vorher mache ich  das, was ich mit jedem elektrischen Gerät mache, wenn ich es nicht mehr brauche: ich schalte das Ding aus. Und deshalb werde ich die Corona-App nicht installieren. Sie macht ja keinen Sinn, denn mein Smarty ist ausgeschaltet, und die Hundeleine hängt am Haken neben der Garderobe.

Maskerade

Ja, wenn ich es nicht vergesse, hänge ich mir die Maske vors Gesicht, denn ich sehe ein, dass sie einen gewissen (oft überschätzten) Beitrag zu Eindämmung der Corona-Inzidenz leisten kann. Dieses Virus ist dermaßen ansteckend, dass jede Abwehrmöglichkeit in Betracht gezogen werden muss. Was die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen betrifft: Ich finde diese Marktschreier mit ihrem dumm-dreisten Querdenkgehabe einfach nur zum Kotzen. Protestieren, weil es dabei so schön in der Buxe kitzelt. Ihr Protest ist so absurd, dass man von einer unterhaltsamen Gesellschafts-Groteske sprechen könnte – wenn es da nicht die gefährlichen Allianzen gäbe. Querdenker, Reichsbürger und AfD-Anhänger – eine verdammt unappetitliche und bedrohliche Zusammenrottung.

Dennoch muss ich kein Freund dieser Masken sein, die man komischerweise als “Alltagsmasken” bezeichnet. Will man damit etwas Alltägliches, etwas Selbstverständliches zum Ausdruck bringen? Das darf es nie werden. Wenn vor einigen Tagen ein Virologe von einem kleinen, nicht wirklich störenden Lappen vor Mund und Nase sprach, dann ist das meines Erachtens ein zynische Bagatellisierung. Eine Bagatelle ist die Maske auf keinen Fall, sie stellt nach meiner Auffassung sogar eine Perversion des menschlichen Miteinanders da. Aber in Notzeiten darf man in der Wahl der Mittel nicht zimperlich sein, das Corona-Virus ist es ja auch nicht.

Was aber unbedingt vonnöten ist: Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass die Alltagsmasken nicht mehr als eine vorübergehende Schutzmaßnahme sein können und dürfen. Sollte es gelingen, das Virus demnächst endgültig auf die chinesischen Wochenmärkte zurückzudrängen (oder ins Virenzentrum von Wuhan?), dann sollten wir uns alle ganz schnell die Masken vom Gesicht reißen. Eine Maskerade auf Dauer, etwas infolge eines Gewöhnungseffektes, wäre schlimm für die Gesellschaft, die ohnehin schon infolge der Digitalisierung immer unpersönlicher wird.

Werkzeuge

Ein nahezu fanatischer Internetanhänger wurde in einer TV-Gesprächsrunde mit den Schäden konfrontiert, die der Smartphonegebrauch insbesondere bei Kindern und Jugendlichen anrichten kann. Seine Antwort darauf war der Vergleich mit einem Hammer. Mit einem solchen Werkzeug könne man viel Nützliches zustande bringen, aber man könne damit aber auch anderen Menschen den Kopf einschlagen. Es komme also auf den richtigen Gebrauch des Werkzeugs an.

Und so denke ich drüber nach, wie man richtig mit Werkzeugen umgeht. Man pflegt sie, klar. Man schließt sie weg, wenn damit Unfug getrieben werden kann. Man beachtet die Sicherheitsvorkehrungen. Man legt es nach Gebrauch an den dafür vorgesehenen Platz, damit es immer griffbereit ist. Und wenn es ein elektrisches Werkzeug ist, dann schaltet man es vor dem Gebrauch ein und nach dem Gebrauch wieder aus. Ist doch logisch, oder?

Genau so handhabe ich mein Smartphone, ein in bestimmten Situationen durchaus nützliches Werkzeug. Wenn ich telefonieren oder sonstwas damit machen will, schalte ich es ein, verwende es und schalte es danach wieder aus. Wenn ich vermute, dass ich es unterwegs gebrauchen könnte, stecke ich es ausgeschaltet in die Tasche. Meistens bleibt es im ausgeschalteten Zustand, denn für das meiste, was ich unterwegs machen kann, gibt es bessere Geräte. Also – wo ist das Problem?

Eines allerdings werde ich nie machen. Ich werde mich nie von einem ständig eingeschalteten Smartphone durch die Gegend treiben lassen. ICH bestimme mein Leben, nicht mein Smartphone, und zu einem selbstbestimmten Leben gehört neben der Privatsphäre [1] auch die Möglichkeit, mich unerreichbar zu machen. Meine Freunde haben damit kein Problem; sie wissen, wann und wie ich erreichbar bin. Unerwünschte Anrufer mögen sich vielleicht ärgern. Sollen sie.

Habe ich nun deutlich genug zum Ausdruck gebracht, warum ich die Corona-App nicht installiere?

[1] Das Smartphone ist eine äußerst wirkungsvolle Abhöranlage, nur übertroffen vom SmartHome und dicht gefolgt vom smarten Auto.

Ach ja, der Lindner

Vor etlichen Jahren war mein Verhältnis zur FDP noch weitgehend ungetrübt. Immerhin war die Partei für mich wählbar, sozusagen als Ausweichmöglichkeit, wenn in meiner Stammparteil mal wieder zu viel Mist fabriziert wurde. Zu der Zeit bestimmten noch große Namen das Geschehen in der F.D.P: Heuss, Genscher, Baum usw. Mit Westerwelle, dem Vetreter der “Besserverdienenden”, war dann Schluss mit der FDP. Finito, endgültig. Freiheit hat sehr viele Gesichter, auch edle, aber unbeschränkter Wirtschaftsliberalismus ist eher eine Fratze.

Und nun der Lindner. Neulich fragte mich ein guter Bekannter nach meinen politischen Ansichten. Ich erklärte ihm, dass ich es kurz machen könne. Er solle sich einfach anhören, was der FDP-Lindner so vertrete, und meine Ansichten seien genau entgegengesetzt zu denen des Herrn Lindner, in jeder Beziehung. In jeder. So kann einem also auch ein Andersdenkender Orientierung geben, man muss nur den Maßstab um 180° drehen.

Jetzt ist aber dieses vermeintlich eindeutige Gefüge durcheinander geraten, denn der Linder hat verlauten lassen, dass die Corona-Ladenbeschränkungen (Quadratmeter pro Kunde usw.) ein “Verödungsprogramm für die Innenstädte” und ein “Programm, die Marktanteile von Amazon in noch höhere Höhen zu schrauben” seien. Verdammte Kiste, da hat er recht, der Lindner. Und das irritiert mich, denn immer wieder betont er (fast in jedem 3. Satz), wie wichtig die Digitalisierung sei. Der kann fast gar nichts mehr begründen, ohne den qualvollen Mangel an Digitalem in seine Begründungskontexte einfließen zu lassen.

Nun ist es aber so, Herr Lindner: Amazon ist keine unerwünschte Nebenwirkung der Digitalisierung, sondern Amazon IST Digitalisierung. Wie passt das zusammen, bzw. was vertreten Sie eigentlich? Auch die sich leerenden Innenstädte, von Corona mal abgesehen. Diese Leere ist keine Folge der Digitalisierung, sondern Digitalsierung definiert sich über den schrumpfenden Verkehr in den Städten. Digitalisierung ersetzt das Treiben auf den Straßen durch ein Treiben im Netz, das ist einer ihrer Wesenskerne. Warum also jammern? Wer sagt, er wolle digitalsieren, sagt gleichzeitig, er wolle die Menschen von den Straßen holen, quasi aus dem öffentlichen Verkehr holen und vor dem privaten Bildschirm platzieren bzw. ans Smartphone ketten. Was anders ist denn das HomeOffice bzw. das HomeSchooling (Scheißwort)?

Und so weicht mein politisches Feindbild auf, wird wabbelig, kann mich nicht mehr stützen und motivieren. Orientierungslos suche ich nach dem richtigen Weg. Es sei denn … Ja, das wird es sein. Wenn der Linder von “Digitalisierung” schwärmt, dann meint er vielleicht nur bestimmte Aspekte der Digitalisierung (obwohl das Abtrennen praktisch unmögllich ist). Vielleicht meint er nur das, was schlaue Leute, die in die Zukunft schauen können, mit “Industrie 4.0″ bezeichnen und das Ganze auch schon in superweiser Voraussicht als “Revolution” einordnen. Sei’s drum. Es wäre aber wünschenswert, wenn Herr Lindner dann nicht verallgmeinernd von “Digitalisierung” sprechen würde, sondern sich etwas präziser ausdrücken würde. Er könnte seine Ziele ja mit dem Begriff “digitale Transformation in den Produktions- und Wertschöpfungsketten” beschreiben. Dann wüsste jeder, was er meint. Seine Nähe zum liberal ausgerichteten Industrie-Management sollte doch geeignet sein, u.a. seinen Sprachschatz zu erweitern, oder? Und wenn er seinen geliebten Managern mal genauer aus Maul schaut, dann findet er sicher noch eine Möglichkeit, den Begriff “Skalierung” hineinzubasteln. Viel Erfolg.

Vogelkacke

Als der Gauland die Nazizeit als Vogelschiss in der ruhmvollen (oder so), deutschen Geschichte bezeichnete, schlugen die Wellen hoch. Wie kann man nur! Ich muss ehrlich gestehen, dass ich diesen Vogelkackvergleich als ziemlich pfiffig empfand. Nur in der Anwendung dieser Metapher hat er wohl die falsche Blickrichtung gehabt.

Denn: Alle Verbrechen, Kriege und Fehlentwicklungen der gesamten Menschheitsgeschichte zusammengenommen sind nur ein Vogelschiss, verglichen mit dem, was im vorigen Jahrhundert von Deutschland ausging. Gibt es überhaupt ein Wort, um diese teuflische Entartung alles Menschlichen angemessen zu beschreiben? Verbrechen? Wohl kaum, viel zu schwach, dieser Begriff. Vielleicht kann man vom Bösen schlechthin sprechen, vom schlimmsten, wozu Menschen überhaupt imstande sind.

Kann man dieses Böse überhaupt fassen? Kann man es aufarbeiten? Vielleicht kann man die Menschen verstehen, die Jahrzehnte lang nicht imstande waren, die Nazizeit aufzuarbeiten. Viele Richter, Ärzte, Beamte haben in den Jahrzehnten nach Kriegsende einfach weitergemacht, als wären sie immer rechtschaffene Bürger gewesen. So, als wäre ihr böses Verhalten während der 12 Kernjahre nur eine Rolle gewesen, in die sie hätten schlüpfen müssen. Aufarbeitung? Fehlanzeige. Erst Ende des Jahrhunderts, als nur noch wenige kleine Fische zu fassen waren, traute man sich daran. Irgendso ein Mensch, einer, der auf dem Turm eines Konzentrationslagers Wache schob, den konnte man noch schnappen und vorführen, nach Jahrzehnten des Schweigens und Verdrängens. Gefahr für die eigentlich Bösen bestand da nicht mehr, die hatten inzwischen ihr Leben ungeschoren zu Ende gelebt.

Vielleicht sollte man sich mal wieder vor Augen führen, wer denn das Böse verkörperte. Hi-Hi-Gö-Gö, also Hitler, Himmler, Göbbels, Göring? Ja, ja, ja, natürlich, aber diese Kerntruppe hat es schon reichlich abgekriegt, zu Recht natürlich. Wie wär’s mal mit einem Blick in die zweite Reihe: Da haben wir den Josef Mengele, der (und viele andere) den Berufsstand der Ärzte total pervertierte und die chirurgischen Instrumente nicht zum Heilen, sondern zum Töten und Foltern benutzte. Da haben wir den Roland Freisler, der als Vorsitzender des Volksgerichtshofs geradezu satanisch auftrat und dabei das Recht in den Boden stampfte. Da haben wir den Julius Streicher, den widerlichen Wegbereiter des Antisemitismus, der in seinem “Stürmer” die wahnwitzigen Zerrbilder von Juden zeichnete. Ja, diese Leute stehen genau so für das Böse wie das HiHiGöGö-Quartett.

Wer denkt noch an Adolf Dieckmann, der in Orodur-sur-Glane den Befehl gab, alle Bewohner des Ortes auf brutalste Weise umzubringen? Wer denkt noch an das Massaker von Lidice, wo alle 184 Männer des Dorfes erschossen und die Frauen und Kinder verschleppt wurden? Nur ein Randereignis in dem unendlichen Leiden des Zweiten Weltkrieges mit vielen Millionen Opfern? Etwas zum Gedenken und Nichtvergessen? Da hat, verdammt noch mal, jemand den Befehl gegeben, obwohl die Massaker nichts mit dem Kriegsgeschehen zu tun hatten. Wer war das? Wer macht sich heute noch die Mühe, diese Verantwortlichen überhaupt ausfindig zu machen? Und die genannten Massaker sind nur zwei von hunderten Tötungsorgien, bei denen einer den Befehl gab, mehrere den Befehl weiterreichten und viele Befehle und Morde ausführten – jenseits des Kampfgeschehens, obwohl der Krieg an sich bereits ein gigantisches Verbrechen war.

Wer denkt noch an die SS-Schergen der Einsatzgruppen, die ihre widerlichsten Instinkte auslebten, als sie genüsslich hinter den Frontlinien alles massakrierten, was jüdisch oder sonstwie verdächtig vorkam? Wer denkt noch an die vielen braven Bürger, die das Feinbild des Juden dankbar aufgriffen und endlich Gelegenheit hatten, ihre Agressionen an jemand auszulassen? Viele, zu viele, viel zu viele haben mitgemacht, gerne mitgemacht. Fast ein ganzes Volk hat sich dem Bösen angeschlossen – aus Schwäche, aus “Pflichtbewusstsein”, aus blindem Eifer, aus niederen Instinkten, aus Mordlust, aus bequemem Ignorieren des im Grunde Offensichtlichen. Auch aus Angst, ja.

Nein, Herr Gauland, wenn Sie all dieses Böse zusammenwerfen, dann ergibt es einen Berg von Unrat. Die anderen schlimmen Vorgänge in der Weltgeschichte sind dagegen nur kleine Häufchen. Und ja, wenn heute wieder Nationalisten grölend durch die Straßen marschieren, wenn heute wieder Typen mit neonazistischer Gesinnung in den Landtagen ihre Parolen auskotzen und “Deutschland über alles” brüllen, dann habe ich Probleme, mich als Deutscher zu fühlen.

Nun gibt es Nationalismus ja auch anderswo, aber wenn Donald Trump in Amerika mit seinem “America first” die Massen fesselt, dann kann man das als populistisch, destruktiv, gefährlich, erbärmlich finden, je nachdem, wie weit man auf das Niveau von Trump hinuntersteigt, doch es ist etwas ganz anderes als wenn in Deutschland, dem Erben des Bösen, jemand das “Germany first” propagiert. Nicht wahr, Frau von Storch? Ach ja, da fällt mir ein: Ist Beatrix von Storch nicht in derselben Partei wie der Vogelschiss-Alexander?

 

Leute angucken

Dass ich die derzeitige Internet-Euphorie nicht mittrage, sollte ich inzwischen hinreichend erläutert haben. Das schließt aber nicht aus, dass das Internet in bestimmten Fällen ganz nützlich sein kann. Nützlich, mehr nicht.

Beispiel: Nachdem diese Tage einige querdenkende Banausen im Reichstagsgebäude die Demokratie bespuckten, wurde ich sehr neugierig: Wer hat zugelassen, dass diese Idioten einfach so im Gebäude randalieren konnten? Klar, einige Abgeordnete der AfD, die die Typen eingeladen hatten und sich damit zu dem zerstörerischen Banausentum bekannt hatten. Die Abgeordneten sind namentlich bekannt: Udo Hemmelgarn, Petr Bystron, Hansjörg Müller.

Wie oft, wenn nur Namen im Raum stehen, die Personen dahinter noch unbekannt sind, möchte man in die Gesichter der Leute schauen. So auch ich. Und jetzt bewährte sich das Internet, mit dessen Hilfe ich mir einen guten Eindruck von diesen drei Typen verschaffen konnte, auch von den platten, maroden Auffassungen, denen sie folgen. Ausgesprochen widerlich und streckenweise auch gefährlich. Namen und Gesichter, die sich mir einprägen werden.

Eine Anmerkung noch zu den “Querdenkern”, aus deren Reihen die AfD-Strategen ihre Störenfriede rekrutierten. Querdenken an sich finde ich toll, es ist die Voraussetzung für eine lebendige Debatten- und Oppositionskultur. Aber was diese Chaotentruppe, die den Begriff für sich instrumentalisiert hat, vertritt, ist so blöd, dass man deren Gedankengänge im Grunde nicht verstehen kann. Natürlich sind die Masenkenpflicht und andere Maßnahmen ein Eingriff in die Grundrechte. Auch ich finde die Masken zum Kotzen. Aber sie sind notwendig. Und wenn wir schon bei den Grundrechten sind: Warum, zum Beispiel, wehren sich die Querdenker nicht gegen die Vorschrift, rechts fahren zu müssen? Ist doch eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit, oder? Das nur als eines von 1000 denkbaren Beispielen, die die ganze Absurdität der Querdenker und die destruktiven Absichten der einladenden Abgeodneten demonstrieren können.